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05 November 2011

"Tower Heist - Aushilfsgangster" seit Donnerstag im Kino

Kurzinhalt: 
Der Tower, ein Apartment-Hochhaus in Manhattan. Dutzende Angestellte, die den Bewohnern der erstklassigen Adresse das Leben erleichtern sollen. Im Penthouse residiert Arthur Shaw (Alan Alda, "The West Wing"), seines Zeichens Investmentbanker der Extraklasse. Als er eines Tages vom FBI festgenommen wird, stellt sich heraus, dass alle seine Kunden einem Pyramidenspiel zum Opfer gefallen und alle Investments verloren sind. Leider betrifft das auch den Pensionsfond der Angstellten des Tower, den der Chefconsierge Josh Kovacs  (Ben Stiller, "Meine Frau, unsere Kinder und ich") Shaw zur Verwaltung übergeben hatte.

Nach einem Ausraster vor dem unter Hausarrest stehenden Shaw muss er den Tower verlassen und einen Weg finden, das ihm anvertraute Geld seinen ehemaligen Angestellten zurückzugeben. Gut, dass sein alter Nachbar Slide (Eddie Murphy, Originalstimme vom Esel in Shrek, "Dreamgirls"), den er noch aus Kindertagen kennt, als Einbrecher Erfahrung hat. So plant eine kleine Gruppe im Penthouse nach den Geldreserven des Bankiers zu suchen und diese zu rauben.

Review:
Als ich im Vorspann las, dass Brett Ratner bei "Aushilfsgangster" Regie geführt hat, hab ich mich innerlich gewappnet, eine ähnlich klamaukige Komödie wie die "Rush Hour"-Filme vorgesetzt zu bekommen, die ja leider immer schlechter wurden. Außerdem war das der Mann, der Bryan Singer bei "X-Men 3: Der letzte Widerstand" ersetzen musste und damit die Trilogie eher durchwachsen bis mies abgeschlossen hat. Ich wurde überrascht. Positiv. Ja, der Film ist auch lustig und warum auch nicht, aber keiner der Charaktere, nicht einmal der grinsende und Sprüche klopfende Eddie Murphy, tragen zu dick auf.

Dem Film wohnt eine gewisse Ernsthaftigkeit inne, die durch die Prämisse des Films - die verlorenen Renten, der schwer arbeitenden Angestellten des Tower - zu Stande kommt. Im Grund hat er mehr mit den "Ocean's Eleven/Twelve/Thriteen"-Filmen gemein als mit "Rush Hour". Lustigerweise spielt Casey Affleck, der in allen drei "Ocean's" den Virgil gibt, auch hier als Kovacs' Vertreter Charlie mit. Der Film beginnt auch außergewöhnlich ruhig mit einer fast dokumentarischen Art, als würde man einer Reportage über ein Hotel folgen.

Die Mischung aus Action, Komödie und Krimi ist echt gut gelungen und wird kaum einseitig belastet. Ben Stiller macht seine Sache als Anführer gut und sein Charakter behält auch in den haarsträubensten Situationen während des Raubes kühlen Kopf. Auch wenn es ähnliche Raub-Filme in weitaus komplexeren Settings gibt, hat man sich hier vor allem beim Abtransport des Diebesguts etwas Neues einfallen lassen. Damit die Aushilfsgangster Josh Kovacs, Charlie, Enrique (Michael Peña, "World Invasion: Battle Los Angeles") und Mr. Fitzhugh (Matthew Broderick, "Wonderful World") die Grundlagen des Einbrechertums lernen, schickt sie Slide in eine harte Schule. Vom Kleinraub bis zum Türknacken bei Minusgraden ist alles dabei.

Dann wäre da noch die taffe FBI-Agentin Claire Denham (Téa Leoni, "Spanglish", "Deep Impact"), die beeindruckt von Kovacs und angewiedert von Shaw, trotzdem Recht und Gesetz vertreten muss. Was auch bedeutet, dass sie Shaw eskortieren und alle Versuche das Gesetz zu brechen, egal wen es trifft, verhindern muss. Es gibt ein paar nette Momente zwischen ihr und Kovacs für die es leider keine Auflösung gibt.

Das Ensemble liefert eine solide Leistung ab und muss sich im Zusammenspiel nicht hinter anderen verstecken. Trotzdem bleibt es eine Actionkomödie und keine Gesellschaftsanalyse, die den Darstellern das Letzte abverlangt.

Fazit:
Das Motiv "Bankraub" wird hier nicht neu erfunden, aber gekonnt in Szene gesetzt und mit einem trickreichen Plan & wechselnden Loyalitäten in der Besetzung kommt keine Langeweile auf. Mir hat der Film sehr gut gefallen und kann ihn nur empfehlen.

Wertung: 7 von 10 Punkten

Filminfo:

  • FSK: ab 12 Jahren
  • Länge: 104 Minuten
  • Verleih: Universal Pictures
  • Start: 03.11.2011
Disclaimer: dieser Artikel erschien zuerst auf fictionBOX.de

04 November 2011

Ijon Tichy: Raumpilot II - Premiere

Ijon Tichy: Raumpilot 2 - Plakat Dennis Jacobsen, Oliver Jahn, Nora Tschirner Die Crew kommt auf die Bühne v.l.n.r. Dennis Jacobsen, Randa Chahoud, Oliver Jahn, Nora Tschirner, Richard Menzel, Peter Princz etc.
Kompletter Stab sans Untergebene Oliver Jahn (Ijon Tichy) & Nora Tschirner (Analoge Halluzinelle) Oliver Jahn (Ijon Tichy) & Nora Tschirner (Analoge Halluzinelle) Oliver Jahn (Ijon Tichy) & Nora Tschirner (Analoge Halluzinelle)
Ijon Tichy: Raumpilot II - Premiere, ein Album auf Flickr.

Vier Jahre ist es nun her, dass Ijon Tichy: Raumpilot zu seinen ersten sechs Abenteuern aufbrach. Die damaligen Folgen wurden zum Zufallserfolg auf dem ZDF, der sonst eher weniger für seine Experimentierfreudigkeit bekannt ist. In wenigen Stunden startet nun die zweite Staffel von Ijon Tichy: Raumpilot zunächst auf zdf_neo im Rahmen der SciFi-Woche. zdf_neo ist der jugendlichere, experimentierfreudige Kanal des Mainzer Senders. Ab Heute, den 4. November 2011, kommen freitags um 21:00 Uhr, jeweils zwei Folgen von insgesamt acht.

Dieses Mal muss sich unser "Held von Kosmos" auf dem Weg zum Eier-Planeten Eggmann - denn diese sind ihm wiedereinmal ausgegangen - neuen Prüfungen stellen. Koautor, Koregisseur, Koproduzent und Hauptdarsteller Oliver Jahn als Titelheld und die bezaubernde Nora Tschirner als analoge Halluzinelle, müssen das sich im Universum ausbreitende Nichts aufhalten. Das schwarze Loch - das beim Köpfen des letzten, schon fauligen Eis entstand - droht das Universum zu verschlingen. So nimmt man zu den Herausgebern der kosmischen Enzyklopädie Kontakt auf und erhofft sich Hilfe von deren Professor Tarantoga. Neu in der Crew ist Mel, ein niedliches Fellwesen, das Ihnen vom Professor zuläuft und auf der Suche nach seinem Heimatplaneten ist.

Zusätzlich zur Fernsehpremiere heute, wird das ZDF die Serie ab dem 28. November auch im Hauptprogramm und über DVB-C und DVB-S dann sogar in 5.1 Mehrkanalton ausstrahlen. Die Folgen landen nach der Ausstrahlung auch in der ZDF-Mediathek, für alle, die sich unabhängig vom Sendeplan in Weltraumabenteuer stürzen möchten. Die DVD wird ab 1. Dezember 2011, noch rechtzeitig zu Weihnachten in den Regalen stehen.

Heute starten wir mit den Folgen "Held von Kosmos" und "Shøpping". In der ersten müssen unser Held und seine Freunde, sich gegen das ausbreitende Nichts wehren und in der Zweiten haben wir es mit einer wunderbaren Parodie auf den Kult um ein schwedisches Möbelhaus zu tun. Ich hatte Gelegenheit bei der Uraufführung im Kino - einer ganz besonderen Art und Weise die Serie zu genießen - dabeizusein und habe euch ein paar Bilder mitgebracht. Ich hoffe ihr werdet ab heute Abend genauso viel Spaß an dieser zweiten Staffel haben, wie ich im Kino.

Diese bleibt dem Vorgänger treu, hat den selben trashigen Charm und erstmals eine durchgehende Handlung und wiederkehrende Charaktere. Ein alter Bekannter taucht auf und natürlich beleben auch neue Gestalten das Universum von Ijon Tichy. Gedreht wurde neben der bekannten Vierzimmerwohnung von Jahn, unter Anderem auch in der Sternwarte am Insulaner in Berlin, die das Labor von Prof. Tarantoga darstellt.

Für die "Außenaufnahmen" wurde in zwei nebeneianderliegenden Studios gedreht, wobei in Einem die Schauspieler aufgezeichnet wurden und im Anderen die, in liebevoller Handarbeit geschaffenen, Miniaturen der Planetenoberflächen. Das Art Department unter der Leitung von Sandra Klaus, Franziska Knoll und Bettina Scheibe lief zu Hochtouren auf und konnte sich voll austoben. Also setzt euch mit in die Kaffeezubereiterrakete und erlebt Abenteuer vom Rand des Universums bis ins tiefste, innere Selbst des Helden.

Seite zur Serie: http://www.ijontichy.de/

Blog zur 2. Staffel: http://itr2.de/


02 November 2011

Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn

Tim & Struppi ist seit letzter Woche in den deutschen Kinos

Kurzinhalt:
Der weltberühmte Journalist Tim ist mit seinem Hund Struppi auf einem Trödelmarkt unterwegs, als ihm ein Modellschiff ins Auge fällt. Kurz nachdem er es erstanden hat, läuft ihm aufgeregt ein Mann entgegen, der ihm das gute Stück sofort abkaufen will. Nachdem Tim ablehnt und zuhause angekommen ist, sucht ihn der Mann erneut auf und wird hinterrücks im Türrahmen erschossen! Was hat es nur mit dem Modell auf sich, dass jemand dafür sterben muss? Nach einem Besuch in der Villa des ehemaligen Besitzers finden sich ein paar Antworten, als ihm Ivanovich Sakharine, der neue Besitzer des Anwesens begegnet. Von hier an entspinnt sich eine Jagd nach einem Schatz über den Ozean, die Wüste in den Orient und wieder zurück.

Review:
Das mit viel Tamtam erwartete animierte 3D-Abenteuer aus der Feder von "Dr. Who"-Autor Steven Moffat, "Scott Pilgrim"-Co-Autor Edgar Wright & "Attack the Block"-Regisseur & -Autor Joe Cornish, basierend auf den Figuren und Geschichten von Hergé, kommt nun also ins Kino. Unter Regisseur Steven Spielberg und Produzent Peter Jackson kann WETA aus Neuseeland hier erneut unter Beweis stellen, wie weit sie an der modernen Tricktechnik schrauben können, um Comichelden digital zum Leben zu erwecken. Teilweise hat man auch den Eindruck, dass es sich mehr um einen Showcase handelt als alles andere. Ziemlich oft, so scheint es, werden vor allem die Haare der digitalen Personen in Nahaufnahme gebracht um zu zeigen, wie gut diese inzwischen gelingen. Nun hat Tim auch seine berühmte Tolle am Schopf, so dass sich genügend Ausrede dafür findet.

Die Geschichte ist relativ schnell erzählt; nicht so trivial wie andere Geschichten für Kinder, aber auch kein Aha-Erlebnis. Gejagt wird ein Schatz, oder vielmehr die Informationen, die zu ihm führen sollen. Dabei muss sich der Trunkenbold Kapitän Haddock dem Vermächtnis eines Vorfahren annehmen und eine alte Rechnung begleichen. Die zwei Detektive Schulze und Schultze dürfen natürlich zur Unterhaltung nicht fehlen und sorgen bei der Suche nach einem Portemonnaie-Dieb für allerlei Gelächter. Auch später kommen sie durchaus helfend und gar nicht ganz so ungeschickt dazu. Es reiht sich nach den Anfängen in Tims Wohnung eine Verfolgungsjagd an die Nächste, zu Fuß, zu Wasser, zu Luft und über Land jagen die Parteien ihrem Schicksal entgegen.

Die Animationen waren extrem gut, und dabei auch etwas creepy. Kennt ihr diese Bilder von Homer oder Mario, wie sie mit realistischer Haut aussehen? Googelt das mal. Insgesamt sind die Figuren natürlich übertriebene Karikaturen, mit großen Knollnasen, aber genau dieses äußerliche Verschieben in die Realität ist manchmal etwas seltsam. An der Kinotüre könnte auch ein großes Schild mit der Aufschrift "Welcome to the Uncanny Valley" stehen. Man merkt auch deutlich, dass das Publikum, das erreicht werden soll, eher ein Jüngeres ist. Trotz der teilweisen Brutalität des Abenteuers, wird jedes kleine Detail - Dinge die für den Zuschauer einfach klar sind - von den Figuren, allen voran Tim, laut ausgesprochen. Jeder Gedankengang soll nachvollziehbar sein. Mich hat das echt ein wenig genervt und ich glaube auch, dass Kinder nicht zu blöd für die nicht über die Maßen komplexe Story sind.

Angeblich gibt es einen Hype um den Film, der sich mir - falls es ihn geben sollte - nicht erschließt. Man wird hier zwar gut unterhalten, aber mir haben die Comicbücher und die Serie aus den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts besser gefallen. Zumindest hab ich sie in besserer Erinnerung. Die nach dem Prinzip einer Rube-Goldberg-Maschine (Domino-Effekt) ablaufenden Verfolgungsjagden versuchen sich zwar an allerlei Originalität, aber anstelle von Spaß kann doch das Gefühl aufkommen, dass - wie bei einer solchen Maschine - die Reise mit Absicht in zahlreiche, unnötige Etappen zerlegt wurde, die dann möglichst umständlich beschritten werden.

Fazit:
Für ein junges Publikum ab 6 Jahren ist Tim & Struppi sicher eine abenteuerliche Abwechslung zum sonst eher harmlosen Quatsch, aber ein erwachseneres Publikum könnte sich von der Erzählweise etwas bevormundet fühlen.

Wertung: 5 von 10 Punkten

Filminfo:

  • FSK: ab 6 Jahren
  • Länge: 107 Minuten
  • Verleih: Sony Pictures
  • Start: 27.10.2011
Disclaimer: dieser Artikel erschien zuerst auf fictionBOX.de

28 Oktober 2011

Halloween-Doppelfeature: Apollo 18 & Urban Explorer

Apollo 18 - seit 12. Oktober 2011 in den Kinos!

Kurzinhalt:

Offiziell wurde das Mondprogramm mit Apollo 17 eingestellt, was wenn jedoch das DoD - das U.S.-Verteidigungsministerium - eine weitere Mission finanziert hätte, um noch einmal bemannt den Mond zu erreichen. Was wäre die Mission der Crew gewesen? Die Installation von Spionagemaßnahmen gegen die Sovjets? Oder hätte es einen viel furchterregenden Grund gegeben? Hier wird geheimes "gefundenes" Filmmaterial gezeigt, dass Aufklärung verspricht.

Review:
Apollo 18 ist der nächste große Versuch durch einen dokumentarischen Filmstil den Eindruck von Echtheit zu erzeugen. Die Legendenbildung geschieht bei solchen Filmen durch angeblich gefundenes/entdecktes Filmmaterial, dass durch seine subjektiven Winkel den Eindruck von Echtheit erzeugen soll. Hier handelt es sich um Aufnahmen von Kameras, wie sie an Bord einer Rakete, bzw. dem Moon-Lander tatsächlich hätten montiert sein können. Der Eindruck wird hier dadurch verstärkt, dass natürlich jeder auf der Welt, die Aufnahmen von der NASA kennt, die Armstrongs ersten Schritt auf dem Mond dokumentiert haben.

Jede Kameraperspektive ist starr, mit Ausnahme der beiden Kameras, die die beiden Astronauten an ihren Raumanzügen befestigen oder im Lander frei bewegen können. Dies hat zur Folge, dass Dinge oft ausserhalb oder gerade so im Sichtbereich einer der Kameras stattfinden. Noch dazu musste das Material so aufbereitet werden, dass es genauso verrauscht wirkt, wie Band-Filmaufnahmen damals aussahen. Hier betritt der Film ganz klar das Terrain der Mutter aller "Found Footage"-Filme: The Blair Witch Project.

Darin liegt auch die Crux eines solchen Films: das Material ist stellenweise kaum zu ertragen, was die sich steigernde beklemmende Stimmung im engen Vehikel zwar duchaus verstärkt, aber besonders beim Ton teilweise an meine Schmerzgrenze ging und qualitativ mehr mit schlechten YouTube-Homevideos von Tante Ernas 2. Hochzeit gemein hatte. Der Film, bzw. dessen Story, an sich ist durchaus unterhaltsam und gar nicht so schlimm vom Gruselfaktor. Die wenigen Schreckmomente wurden m.E. schon im Trailer verbraten und haben mit der eigentlichen Gefahr gar nicht so viel zu tun, die einem aufmerksamen Publikum schon recht früh klar wird. Blair Witch hatte mich damals vom Schreck-und-Horror-Faktor mehr geflasht und mitgenommen. Der Film bekommt von mir den Stempel: auch für Horror-Angsthasen wie mich anseh- und verkraftbar.

Die Legende, die um das Filmmaterial gesponnen wird, soll natürlich eine Art Verschwörungstheorie sein, die am Ende geschickt mit den tatsächlichen Fakten spielt. Die unbekannteren Schauspieler machen ihre Arbeit extrem gut und schaffen es die psychologische Dimension einer solchen Unternehmung, die immer verzweifelter und undurchsichtiger wird, auf Film zu bannen. Es wurde peinlich genau darauf geachtet, dass das Vokabular den damals gängigen technischen Gegebenheiten entspricht, so findet man sich schnell in einem Wirrwarr von Flug-Abkürzungen wieder, die man als Laie natürlich nur durch sichtbaren Kontext - wenn überhaupt - einzuordnen weiss. der Wahrhheit entsprechender Technobabble, wenn man so will.

Fazit:
Ich fühlte mich gut unterhalten und ein wenig gegruselt, aber in einer erträglichen, angenehmen Dosis. Wer sich mit seinen Liebsten in den kommenden kühlen Herbssttagen warmgruseln will sollte sich "Apollo 18" nicht entgehen lassen und einen Mitbewerber, namens "Urban Explorer", meiden. Aber dazu an dieser Stelle nächste Woche mehr.

Wertung: 7 von 10 Mondkrater

Filminfo:
  • FSK: ab 12 Jahren
  • Länge: 86 Minuten
  • Verleih: Senator
  • Start: 13.10.2011
Disclaimer: dieser Artikel erschien zuerst auf fictionBOX.de



Urban Explorer - seit 20. Oktober 2011 in den Kinos!

Kurzinhalt:
Eine Gruppe junger Berlin-Touristen macht sich unter Leitung des deutschen Kris (Max Riemelt, bekannt geworden durch "Napola") auf, den geheimnisvollen und verwinkelten Untergrund der Stadt zu erkunden. Der wortkarge Kris tut sehr geheimnisvoll und und bietet der Gruppe an, sie zum sog. Fahrerbunker zu bringen, einer verschlossenen ehemaligen Nazi-Kultstätte tief unter der Stadt. Auf dem Weg dorthin geraten sie mehr oder weniger orientierungslos an Halbstarke und begeben sich auf gefährlich Wege, doch das alles bereitet sie nicht auf den Horror vor, der sie noch erwartet.

Review:
Ich habe schon lange kein solches B-Movie mehr gesehen und bin echt verwundert, dass es in Deutschland - wenn auch limitiert - ins Kino kommt. Solche Produktionen landen normalerweise direkt auf DVD und können so von der geneigten Zuschauerschaft erworben werden. Ich gehöre nicht zu dieser Zuschauerschaft. Der Film nimmt sich für das was er ist leider viel zu ernst, ähnliche Filme habe ich auf dem Trash-Film-Festival schon gesehen, doch da hatte alles eine Prise Humor, so dass man über das blutige Geschnetzel lachen musste. Hier gibt es einen armen Irren, der seinen alten Posten als DDR-Grenzsoldat wieder eingenommen hat und Touristen, die sich auf seinem Territorium herumtreiben (Achtung, Spoiler!) zu Gulasch verarbeitet (Spoiler Ende). Wirkliche Spannung kommt indes nicht auf, es reihen sich eher Ekelmoment an Ekelmoment. Slasher ohne Humor sind dann meistens wirklich creepy oder brutal und folgen einer inneren Filmlogik. Hier jedoch weiß man halt leider sofort was die Gruppe umbringen wird. Neben ihrer eigener Dummheit bleibt da nicht viel. Er macht aber in der Tat ganz am Ende etwas anders, das nicht den "Regeln" eines Slasher-Films entspricht und obwohl man kaum mitfiebert und mehr die Augen verdreht war ich doch für einen Moment überrascht.

Es gibt leider kaum Dialoge, die schnelle Entwicklung eines der Pärchen im Untergrund ist relativ unglaubwürdig, da sie sich gerade einmal ein paar Stunden kennen. Dann hat der Film überraschenderweise ziemliche Längen, in denen gar nichts passiert - die Action kommt mehr oder weniger in den letzten 20 Minuten. Vermutlich soll die Kulisse des Berliner Untergrunds Erfurcht oder Unbehagen einflößen, aber eine Kulisse aus austauschbarem Beton mit oder ohne Rohre erschöpft sich dann doch sehr schnell und trägt nicht über lange Zwischensequenzen. Der ist eben was für ne Fotoserie über Urban Decay. Film kann das meiner Meinung nach nicht so gut einfangen. So hat man durch die schwerliche Reise zum eigentlichen Ziel der Exkursion, eine überhöhte Erwartungshaltung an das, was im "Fahrerbunker" so für Malereien hängen und wie der wohl ausgestattet sei oder was an den Gerüchten dran ist, die sich um ihn ranken, nur um mit einer viel banaleren "Wahrheit" konfrontiert zu werden.

Fazit: Langweiliger Slasher-Film, der versucht ähnlich dämliche Filme wie "Hostel" nachzuahmen. Er ist weder besonders gruselig, noch lustig. Er is ne Werbeveranstaltung für den Berliner Untergrund und ab einem gewissen Punkt für die Fähigkeiten des Maskenbildners und der Prothesenabteilung. Sowas hat auf den einschlägigen Festivals sicher seinen Platz, wird aber ein Mainstreampublikum nicht hinterm Ofen hervorlocken. Die Geschichte ist an den Haaren herbeigezogen und hat so viele Logiklöcher wie ein schweizer Käse. Die Momente, in denen man in amerikanischen Teenie-Horror-Streifen immer schreien möchte: "Geh da nicht lang, Du blöde Kuh!"? - gibt es hier en Masse, besonders aber an einer Stelle fast am Ende des Films, die so wenig Sinn ergibt, dass man den Film aus dem Projektor reißen möchte. Es is eigentlich nur eklig. Kein Humor, keine Logik und die Schauspieler… nunja… ausser Klaus Stiglmeier mit der richtig fiesen Visage für die Rolle des Durchgeknallten, hat keiner hier wirklich groß was zu schauspielern. Die Mädels dürfen viel schreien und Max Riemelt die Gruppe Touris führen. Den Film im Kino anzusehen kann ich nur eingefleischten Trash-Fans empfehlen, allen anderen würde ich raten das Geld zu sparen.

Wertung: 1 von 10 Sternen

Filminfo:
  • FSK: ab 18 Jahren
  • Länge: 88 Minuten
  • Verleih: Universum Film
  • Start: 20.10.2011
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27 Oktober 2011

Eine offene Rechnung - seit 22.09.2011 im Kino

Kurzinhalt:
Drei junge Mossad-Agenten werden 1966 nach Ost-Berlin geschickt um einen untergetauchten ehemaligen Nazi-Arzt gefangenzunehmen und ausser Landes zu schmuggeln, damit der für seine Verbrechen in Israel vor ein Gericht gestellt werden kann. Nach der Mission werden sie in der Heimat als Helden empfangen und noch 30 Jahre später hallen ihre Taten nach. Aber was geschah damals in Berlin wirklich? In zwei Zeitrahmen baut sich der Spannungsbogen auf und fördert die ein oder andere Überraschung zu Tage.

Review: 
Seit "Die Dolmetscherin" habe ich keinen so großartigen Politthriller mehr gesehen. "Eine offene Rechnung" hat etwas mehr Action zu bieten als Sydney Pollacks Film, aber es hat nicht die Ausmaße von "München". Es ist eine extrem gute Mischung aus beiden. Haben während der Mission in Ost-Berlin Marton Csokas ("Alice im Wunderland"), Sam Worthington ("Avatar - Aufbruch nach Pandora") und Jessica Chastain ("The Tree of Life") mit den psychologischen Tricks des gefährlichen Dr. Vogel (Jesper Christensen, "Mr. White" in den letzten beiden Bond-Filmen) ihre Mühe, schlagen sich 1997 Tom Wilkinson ("The Green Hornet"), Ciarán Hinds ("Caesar" in HBOs Serie "Rom") und Helen Mirren ("R.E.D.") mit ihren Entscheidungen von damals herum.

Dieser erstklassige Spionagethriller fand offenbar lange keinen Verleih, denn er kommt sehr viel später heraus als andere Projekte der Darsteller, so war Ciarán Hinds zuletzt als Aberforth Dumbledore im letzten Harry-Potter-Streifen zu sehen, der nach "Eine offene Rechnung" gefilmt wurde. Für mich ist dies völlig unverständlich, denn er hat eine einnehmende Geschichte, die beide Zeitebenen und die drei Hauptcharaktere in ihnen glaubhaft miteinander verbindet. Sowieso ist die Triebfeder des Films die Beziehung der drei Agenten zueinander und das Geheimnis, das sie verbindet. Vielleicht merkt man, wie ich um das Thema herumschreibe, aber die Gefahr zu spoilern ist hier sehr groß und verdirbt u.U. die Spannung. Die Geschichte von Stephan, Rachel und David wurde u.a. von Matthew Vaughn und Jane Goldman geschrieben, die uns zuletzt "Kick-Ass" und das X-Men Prequel "Erste Entscheidung" beschert haben. Regisseur John Madden zeichnet sich u.a. für das 2.WK-Drama "Corellis Mandoline" und das Drama "Der Beweis" mit Gwyneth Paltrow verantwortlich.

Trotz relativer Nähe zu einen wahren Bild von Ost-Berlin zu jener Zeit, gibt es auch faktische Fehler, die zwar nicht die Geschichte groß stören , aber v.a. Berlinern auffallen werden. Wie es eben oft so ist, wenn bekanntes Terrain zum Schauplatz von Kinofilmen wird. Die im Film verwendeten Barkasse sind zwar Original, aber auch in der Ostzone hiess die Deutsche Post, Deutsche Post und nicht "DDR Post". Lustig war der Akzent der Darsteller, wenn sie Deutsch reden müssen, für den es in der Geschichte sogar eine Ausrede gibt. Tatsächlich ist es erfrischend zu sehen, dass Sam Worthington auch solche ruhigeren Rollen spielen kann und nicht immer der Actionheld sein muss. Hoch erfreut war ich auch über Jessica Chastain, die in "The Tree of Life" ja nichts zu tun bekam, hier aber die Rolle übernimmt, die am meisten durchstehen muss. Als Frau und als Agentin. Gleichermassen schlüpft Frau Mirren in die selbe Rolle - mit 30 Jahren Abstand und 30 Jahren Leben mit den Vorfällen in Berlin.

Fazit:
Wer sich mal wieder so richtig von einem Film fesseln lassen möchte und ein paar kalte Schauer ob der Durchtriebenheit des Widersachers spüren möchte, sollte diesen psychologischen Thriller mit seinen zeitlich perfekt platzierten Wendungen auf keinen Fall verpassen!

Wertung:
9 von 10 Punkten

Filminfo:
  • FSK: ab 12 Jahren
  • Länge: 113 Minuten
  • Verleih: Universal
  • Start: 22.09.2011
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23 Oktober 2011

Colombiana - seit 15.09.2011 im Kino

Kurzinhalt:
Als Neunjährige muss Cataleya mit ansehen, wie ihre Eltern durch den kolumbianischen Mafioso Marco auf Geheiß von Don Luis ermordet werden. Sie selbst kann in die amerikanische Botschaft flüchten und mithilfe der Informationen ihres Vaters, gelingt ihr die Ausreise in die USA zu ihrem Onkel Emilio. Er soll sie zur Profi-Killerin ausbilden, damit sie am Don und seinen Leuten Rache nehmen kann. Je mehr sie sich im Erwachsenenalter jedoch ihrem Feind nähert, desto näher kommt auch er ihrer Familie und desto mehr rückt das FBI ihr und ihrem Freund Danny auf den Pelz.

Meinung:
Zoë Saldaña holt nach Avatar erneut ihre Actionqualitäten aus dem Schrank und kämpft sich als Killerin durch etliche Auftragsmorde immer ein Stück näher an ihr eigentliches, privates Ziel. Sie versucht ihre Bindungen geheimzuhalten und auf ein Minimum zu begrenzen. Auch ihren Freund Danny, der keine Ahnung hat, was Cataleya so tut, lässt sie nur zaghaft an sich heran. Sie will es lieber wild und aufregend, wie ihren Job. Natürlich ist das FBI hinter ihr her, obwohl niemand weiss wer der gesuchte Auftragskiller ist, bis Danny unwissentlich einen folgenschweren Fehler begeht, der ihre Tarnung zunichte macht. So entspinnt sich eine actiongeladener Rachefeldzug zwischen Chicago und Kolumbien, dem FBI, der CIA, dem Drogenkartell und einer einsamen Schützin, die sie alle gehörig aufmischt.

Bis auf Saldaña besteht der Cast nur aus Nebenrollendarstellern, die man in ihren Rollen schon mehr als einmal gesehen hat, ich würde also nicht von einem überraschenden Casting reden. Jordi Mollàs Cahraktere in "Blow" oder "Bad Boys II" waren auch ähnlich angelegt (Da wir gerade von "Blow" reden: Cliff Curtis war darin auch zu sehen). Drehbuchautor und Produzent Luc Besson ("Das Fünfte Element") hat hier ganz klar seinen Stempel aufgedrückt und seine Arbeit an "Nikita" bzw. "Codename Nina" in deren diversen Formaten scheint hier inspirativ durch. Das Konzept ist also weder besonders neu noch weicht Besson von seiner Liebe zu starken Frauenrollen ab, die mehr sind als nur Kriegerinnen. Mitgebracht hat er Regisseur Olivier Megaton von ihrer Zusammenarbeit an "Transporter 3", von dem er wusste, dass er seine Vorstellungen von der Action und den Charakteren teilt. Dadurch ist er trotz der Drehorte sehr europäisch angehaucht und nicht so plump, wie die meisten Kartell-Rache-Action-Streifen aus den USA. Durch seine Ernsthaftigkeit gehört er fast mehr in die Ecke Thriller als Action; in ihm steckt mehr von "Das Kartell" als von "The Losers". Zoë Saldaña macht ihren Job unglaublich gut, weder wirkt sie als Killerin unglaubwürdig noch als warmherzige Nichte oder wilde Liebhaberin. Sie lässt ihre Menschlichkeit immer in den richtigen Augenblicken für genau die richtige Zeitspanne durchblicken und man muss sie einfach toll finden.

Fazit:
Im Prinzip ist der Film genau das was man von einem Film erwartet, auf dem "Conan" steht, aber er hat leider nichts Erinnerungswertes an sich. Die Lebenszeit hätte ich tatsächlich gern zurück.

Wertung: 7 von 10 Sterne

Filminfo:
  • FSK: ab 16 Jahren
  • Länge: 108 Minuten
  • Verleih: Universum Film
  • Start: 15.09.2011
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09 September 2011

Conan - Der Barbar in 3D

SEIT GESTERN IM KINO!

Kurzinhalt:
Der junge Cimmerier Conan (Leo Howard, "Das Geheimnis des Regenbogensteins") muss miterleben, wie sein Dorf von Warlord Khalar Zym (Stephen Lang, "Avatar") und seinen Schergen aus Hyboria angegriffen wird. Sie fangen seinen Vater Corin (Ron Perlman, "Hellboy"), denn er weiß als Anführer des Clans, wo sich ein Teil der sagenumwobenen Maske von Acheron befindet, die Zym wieder zusammensetzen will. Conan versucht seinen Vater zu befreien, wird aber auch gefangen genommen. Als Corin sich weigert das Versteck preiszugeben, setzt Marique (Ivana Staneva), Zyms Hexentochter, ihre Kräfte ein um es zu finden. Nachdem Zym erreicht hat, wofür er in das Dorf kam lässt er die Schmiede des Vaters anzünden und der opfert sich selbst um seinen Sohn zu retten. Zehn Jahre später trifft der erwachsene Conan (Jason Momoa, "Stargate: Atlantis", "Game of Thrones") auf einen der Schergen von einst und in ihm entbrennt erneut der Wunsch den Mörder des Vaters und seiner Gefolgsleute zu rächen.

Meinung:
Conan. Der Barbar. In 3D. Der Film beginnt sofort mit einer Schlacht - der Schlacht in der sein Vater Corin Conan aus dem sterbenden Leib seiner Mutter schneidet, damit die ihn noch sieht, bevor die stirbt. Die Szene macht eins ganz klar: hier wird Blut in Strömen fließen. Es geht eben barbarisch zu. Wer die Erstverfilmung kennt, auch wenn es im Neuen mehr Kämpfe gibt, an Brutalität gleichen die beiden Filme sich. Der Stamm muss sich fortwährend gegen andere Stämme verteidigen. So auch, als Conan, eigentlich viel zu jung für die Kriegerprüfung, im Wald auf Feinde trifft, die er allesamt niederstreckt und blutverschmiert mit einem Präsent heimkehrt. Es folgt ein Geschnetzel auf das andere, es fliegen die Körperteile und es spritzt das Blut, unterbrochen wird diese, ehm, "Handlung" von optisch ansprechenden Ankündigungen des nächsten Schauplatzes.

Conan hatte nie viel Tiefe, zumindest nicht die Erstverfilmung. Die Comicserie habe ich zwar irgendwann mal in Teilen gesehen, aber verdrängt. Diese Neuverfilmung schafft es aber tatsächlich die Trashiness des ersten zu unterbieten. Die Reise wird komplett übersprungen, man ist eben plötzlich irgendwo anders - die schon erwähnten Einblendungen sollen dabei helfen den Fortschritt zu verdeutlichen. Man hat das Gefühl ein schlechtes, 113 Minuten langes Musikvideo zu sehen. Wäre wenigstens die Action abwechslungsreich, könnte man daran noch Gefallen finden, aber die alleinige Verlegung des Schauplatzes reicht da nicht aus. Bei Conan haben sich die Kampflehrer totchoreografiert, wobei die Kulissen und die Umgebung durchaus zu gefallen wissen - es wurde eben in Bulgarien am schwarzen Meer gedreht. Man hätte die Menschen weglassen und daraus eine Landschaftsdoku machen sollen.

Jason Momoa darf dann nach der wilden harmlosen Liebesszene des Films auch noch seinen Allerwertesten präsentieren, wie Arnie vor ihm, muss aber im Gegensatz zu seinem Vorbild nicht nackig kämpfen. Ich habe Momoa kaum wiedererkannt so aufgepumpt er da rumlief, er war zwar schon in SG:A athletisch, aber nicht so ein Tier. Rose McGowan ("Machete", "Charmed") darf die erwachsene Tochter von Zym spielen und wird damit zu Gegenspielerin von Rachel Nichols ("Criminal Minds"), deren Tamara den Schlüssel zur Aktivierung der Maske in sich trägt. McGowan erkennt man unter dem fiesen Makeup kaum wieder und Nichols dürfte Genrefans als grünhäutige Orionerin Gaila aus dem letzten "Star Trek" in Erinnerung sein. Stephen Lang spielt den Zym genauso eindimensional böse wie er schon den Col. Quaritch in Avatar gespeilt hat, nur mit langem Haar, sogar eine Narbe ziert hier sein Gesicht. Die restlichen Personen sind alle unwichtig, denn sie werden verheizt. Obwohl jeder Scherge von Zym eine eigene Spezialität im Kampf hat und sogar Namen, bleiben sie im Film oft unerwähnt und sind nur kurze Einlagen auf dem Weg zum Finale.

Das beste Beispiel für die Sinnlosigkeit des Films spielt sich einen Schauplatz vor dem Finale ab. Erst dringt Conan in die Stadt der Diebe ein um eine Schuld einzufordern, dann hilft ihm der Dieb durch die Verliese des Palastes zum Kampf gegen den Kerkermeister und sein Haustier, nur um nach 15 Minuten Gekämpfe den Palast auf der anderen Seite wieder zu verlassen, weil da ist jetzt keiner mehr. So jagt eine dumme Handlung die nächste und die Rechtfertigung hierfür ins Kino zu gehen sinkt auf Null. Die 3D-Nachbearbeitung ist leider wieder einmal unnötig und gerade bei den schnellen Schnitten mit den wackeligen Kampfszenen des Films, eher eine Belastung, denn ein filmischer Zugewinn.

Fazit:
Im Prinzip ist der Film genau das was man von einem Film erwartet, auf dem "Conan" steht, aber er hat leider nichts Erinnerungswertes an sich. Die Lebenszeit hätte ich tatsächlich gern zurück.

Wertung:
1 von 10 Schwerthiebe

Filminfo:

  • FSK: ab 18 Jahre
  • Länge: 112 Minuten
  • Verleih: Warner Bros.
  • Start: 08.09.2011

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Freunde mit gewissen Vorzügen

SEIT GESTERN IM KINO!

Kurzinhalt:
Art Director Dylan (Justin Timberlake, "Bad Teacher") macht durch seine Arbeit an einem erfolgreichen Blog auf sich aufmerksam und erhält ein Angebot aus New York. Die Headhunterin Jamie (Mila Kunis, "Black Swan") will ihn zum GQ Magazine bringen. Beide haben gerade Beziehungen hinter sich und keine Lust zu Daten. Tatsächlich glauben beide kaum noch an die Liebe und sind nur für Spaß zu haben. Als Dylan schließlich nach New York zieht hängen die beiden miteinander ab und lassen sich auf ein Experiment ein: Freunde sein und Sex haben ohne Liebe. "Friends with Benefits" eben.

Meinung:
 Ich war nur am Brüllen, wie das Publikum um mich herum auch. Das war die wohl witzigste unromantische Komödie, die ich je gesehen habe. Extrem sexy und für amerikanisches Kino durchaus mutig, modern und echt. Im Gegensatz zu den üblichen romantischen Komödien, wie sie auch in Deutschland gerne produziert werden, fühlte sich schon die Filmwelt sehr real - und nicht in Zuckerwatte gepresst - an. Will Gluck portraitiert hier zwei junge berufstätige Menschen, die im Job erfolgreich sind und wie fast jeder Großstadtmensch, Probleme mit ihren Beziehungen haben. Ihre Beziehungen enden, wie echte Beziehungen enden, mit dämlichen Worthülsen und wenig aufgeregt. Hier muss niemand zum männlichen Holzhacken in den Wald.

Die sexuelle Reise von Dylan und Jamie nimmt schnell aufklärerische Züge an. Sie sagen sich tatsächlich was sie wollen, wann sie es wollen. In ihrem Experiment klappt die viel beschworene Kommunikation zwischen den Sexpartnern tatsächlich. Es passieren dann Dinge, die man absolut nachvollziehen kann und deshalb extrem komisch sind. Sie sind ehrlich und direkt und überschreiten für ein amerikanisches Publikum wahrscheinlich wirklich Grenzen. So direkt habe ich aber auch selten einheimische Produktionen erlebt.
Absolut großartig war Woody Harrelson ("2012"), so sorgte er mit seiner extrem direkten Art in der Rolle des schwulen Sportredakteurs vom GQ Magazine für die wahrscheinlich größte Anzahl von Lachern. Zugegeben waren davon viele rechte Kalauer, aber in dem Setting einfach unerwartet und immer auf den Punkt. Er ist dabei kein seltsames Abziehbild eines Schwulen, er ist nur sehr direkt. Irgendwie das Wort mit dem man den ganzen Film offenbar beschreiben kann. Direkt. Er erwischt einen kalt und trifft immer ins Schwarze.

So echt die beiden Charaktere in ihrer Nicht-Beziehung zueinander sind, so echt sind auch die Menschen um sie herum. Sei es Jamies alleinerziehende Hippie-Mutter Lorna (Patricia Clarkson, "Einfach zu haben") oder die Familie von Dylan in Los Angeles. Seine Schwester Annie (Jenna Elfman!!!, "Dharma & Greg") und sein an Alzheimer erkrankter Vater (Richard Jenkins!!!, "Six Feet Under") bilden einen guten Gegenpol zu den komischen Teilen des Films. Dieser sorgt für eine Verankerung in der Realität. Es entspinnt sich kein wahnsinniges Melodrama um die Krankheit des Vaters, es wird gezeigt wie Menschen versuchen damit umzugehen und ihre Probleme mit der Welt um sie herum.

Es gibt natürlich auch einen übertrieben kitschigen Moment im Hollywood-Zeichen, der mit einer nicht weniger übertriebenen Auflösung daherkommt. Die Geschichte dreht sich zwar einem Hollywoodende zu, allerdings geht man nicht mit dem Gefühl aus dem Film, die beiden hätten es sich nicht redlich verdient. Natürlich ist das Experiment nur das: ein Experiment - Ergebnisoffen und mit der Gefahr behaftet, dass sich mehr als freundschaftliche Gefühle doch einschleichen.

Die Wendung fühlt sich als zu erzwungen herbeigeschrieben an, die gewisse Wortwahl passt eigentlich nicht zu Dylan. Das Konzept des Films wird damit in die selben Bahnen anderer romantischer Komödien gelenkt, von denen er sich abzuheben versucht. Auch wenn für den Zuschauer klar ist, dass sich zwischen ihnen Gefühle entwickeln, wurde hier der einfachste Weg zum Riss zwischen den Beiden gewählt. Anstatt über diesen üblichen Konzepten stehend, aufgeklärt weiterzumachen, geht es in eine passiv-aggressive Nummer über, bis zum unausweichlichen Ende.

Fazit:
Wer eine frische und gut gemachte zwischenmenschliche Komödie mit einem herausragend witzigen Woody Harrelson und einem modernen Paar aus der Großstadt erleben möchte ist hier gut aufgehoben und hat definitiv mehr vom Abend als bei "What A Man".

Wertung:
8 von 10 Punkte

Filminfo:
  • FSK: ab 12 Jahre
  • Länge: 110 Minuten
  • Verleih: Sony Pictures
  • Start: 08.09.2011


01 September 2011

Die Drei Musketiere in 3D

AB HEUTE IM KINO!

Kurzinhalt:

Wirklich? Ihr kennt den Inhalt von "Die Drei Musketiere" nicht? Schämt euch!

Meinung:

Venedig. Ein Mann taucht mit seltsamer Maske bewehrt aus einem Kanal auf - Athos (Matthew Macfadyen, "Die Säulen der Erde"). Ein Anderer steht hoch oben neben den antiken Figuren auf dem First eines Gebäudes, schattengleich in einen schwarzen Umhang gehüllt. Lautlos lässt er sich fallen - Aramis (Luke Evans, "Kampf der Titanen"). Ein dritter Mann, ein Hühne, steht im Kerker der Stadt, angekettet, doch nicht wider Willen - Porthos (Ray Stevenson, "Thor"). Gleichzeitig schlagen sie los und werden dreier Schlüssel habhaft, die die Tür zur Schatzkammer Leonardo DaVincis öffnen sollen. Sie suchen Pläne für eine Kriegsmaschine, die das Kräfteverhältnis in Europa schlagartig ändern kann, doch werden sie betrogen und verraten, von jener Frau, die vorgibt ihnen beizustehen - M'lady de Winter (Milla Jovovich, "Resident Evil").

So beginnt also die Vorgeschichte zum tollsten Abenteuer, das je geschrieben wurde. Alexandre Dumas' "Die Drei Musketiere" sind zurück im Kino - mit einer Inszenierung für die nächste Generation von Heranwachsenden, die bereit sind, sich ins 17. Jahrhundert versetzen zu lassen und eine spannende und mitreissende Geschichte, von Italien über Frankreich bis nach England, zu erleben. In Frankreich treffen wir auf den jungen D'Artagnan (Logan Lerman, "Percy Jackson"), der bei seinem Vater, einem ehemaligen Musketier, die Fechtkunst lernt und sich dann nach Paris begibt um selbst Musketier zu werden. Auf dem Weg dorthin muss er frühzeitig unangenehme Bekanntschaft mit Rochfort (Mads Mikkelsen, "Casino Royale") schliessen, dem Hauptmann der Wachen des Kardinals. In Paris angekommen wird er von seinem Wut auf Rochfort, den er verfolgt, durch die Strassen getrieben und legt sich dabei mit den ausser Dienst gestellten Musketieren an.

Gleich merkt man - und den Vergleich werde ich vermutlich noch einmal wagen - dass Paul W.S. Anderson eine viel lustigere, moderne Herangehensweise suchte, als es bei der letzten goßen Musketier-Verfilmung mit Leonardo DiCaprio - "Der Mann mit der Eisernen Maske" - der Fall war. Auch wenn das 1998 mehr eine Nachfolgegeschichte war, denn die Verfilmung des Originalstoffes. Es gab noch eine belgische Verfilmung von 2005 mit Tchéky Karyo als Richelieu und Heino Ferch als Athos, aber die habe ich glaube ich nie gesehn. Diese Neuverfilmung hat starke Tendenzen in Richtung "Ritter aus Leidenschaft", was die Aufmachung und die Erzählweise angeht. Sie ist nicht so verkrampft, sondern wirklich angenehm frisch.

Man merkt, dass Anderson seine Frau eigentlich als heimlichen Star des Films sieht; so inszeniert er sie mehr als einmal genau so, wie er 'Alice' in "Resident Evil" inszenieren würde - kampfeslustig, präzise und in Slow Motion. Eine wahre Actionheldin, die hier trotz ihres viel direkteren Eingriffs in die Geschichte, nicht weniger zwielichtig und intrigant ist. Frau Jovovich spielt sie ganz hervorragend aus beiden Perspektiven: zuckersüß und verschlagen tödlich.

Die Ausstattung ist wunderbar pompös und teilweise auch zentrales Thema, so huscht eine Lagerfeld-Parodie um den König herum, der einen verzweifelten modischen Kampf mit dem Herzog von Buckingham (Orlando Bloom, "Fluch der Karibik") austrägt, der zu Friedensverhandlungen im Schloss erwartet wird. Diese suchen M'lady de Winter und Kardinal Richelieu (Christoph Waltz, "Wasser für die Elefanten") natürlich durch ihre Ränkespiele zu untergraben, indem sie das junge Königspaar entzweien. Um dies zu verhindern müssen die Musketiere Buckingham nach London nacheilen und rechtzeitg wieder zurück in Paris sein.

Richelieu, eine absolute Waltz-Rolle. Großartig besetzt. Weniger klamaukig als sein 'Chudnofsky' in "The Green Hornet", mit mit mehr Scharfsinn und der Redegewandtheit seines 'Hans Landa' in "Inglourious Basterds". Die vier eigentlichen Helden des Films verblassen tatsächlich gegen die beiden Bösewichter und den Herzog, für den sich Orlando Bloom wie ein Rockstar gibt und kleidet. Logan Lerman hat irgendwie drei Gesichtsausdrücke, die er auch schon in "Percy Jackson" ausgepackt hat, aber die geradlinigen Titelrollen geben eben auch nicht so viel her. D'Artagnan ist ein Held-Prototyp, arrogant zwar, aber ihm gelingt beinahe jedes Unterfangen und seine Freunde sind immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort um ihm zu helfen. Die Charaktere der drei ursprünglichen Musketiere spiegeln sich, in den schon eingangs erwähnten, stark unterschiedlichen Vorgehensweisen wieder. Aramis ist der ruhige, in sich gekehrte ehemalige Priester, der für jeden, von ihm getöteten Mann, ein Gebet spricht. Porthos haut drauf und lässt sich aufgrund akuten Geldmangles von reichen Frauen bezahlen und Athos glaubt seit dem Verrat von M'lady an nichs mehr, erst recht nicht an die Liebe.

Mich hat diese Verfilmung tatsächlich begeistert, umso mehr, da es sich um eine fast ausschliesslich deutsche Produktion handelt. Alle Drehorte waren entweder in den Schlössern und Burgen Bayerns oder den Studios in Babelsberg. Tatsächlich kam der Film ohne jegliche Geldmittel aus den USA aus und er wurde in 3D gefilmt (mit jeweils zwei ALEXA Plus von ARRI aus München). Dementsprechend gut ist das Ergebnis. Hier kam keine nachträgliche 3D-Konversion zum Einsatz.

Fazit:

Ein echter Abenteuerfilm, von dem sich der letzte "Pirates of the Carribbean" eine Scheibe hätte abschneiden können. Modern, witzig, und an den richtigen Stellen übertrieben für das extra Quentchen Movie Magic. Klasse Unterhaltung. Abzug gibt es für den Titelsong von Take That, die einem zu allem Überfluss am Anfang des Films noch sagen, man solle bis zu ihrem Song sitzenbleiben, der leider nicht an das großartige "All for Love" vom Poptriumvirat Adams, Stewart und Sting heranreicht, die damit die 1993er Verfilmung mit Kiefer Sutherland, Sharlie Sheen etc. krönten. Jetzt wo ich so drüber nachdenke, der Film hat glaub Ähnlichkeiten mit dieser Verfilmung von vor 18 Jahren. Muss ich mir noch mal ansehn...

Wertung:

8 von 10 Degen

Filminfo:
  • FSK: ab 12 Jahre
  • Länge: 111 Minuten
  • Verleih: Constantin Film
  • Start: 01.09.2011


23 August 2011

Woody Allen: Midnight in Paris

Kurzinhalt:

Der junge Hollywood-Drehbuchautor Gil (Owen Wilson) verbringt mit seiner Verlobten Inez (Rachel McAdams) den Urlaub vor der Hochzeit, in der Stadt der Liebe - Paris. Während Gil die Stadt förmlich in sich aufzusaugen beginnt, kann Inez seine Schwärmereien für ein Künstlerleben hier nicht verstehen. Er schreibt gerade seinen ersten echten Roman, abseits der Fließbandarbeit für die Film- und Fernsehstudios und hofft, in Paris seine Muse und Bestätigung zu finden. Eines Nachts verlässt Gil eine Party leicht angetrunken um allein durch die Straßen zu laufen. Um Mitternacht hält vor ihm ein alter Peugeot und man lädt ihn ein mitzufahren. Kurz darauf muss er feststellen, dass er sich nicht mehr im Paris der Gegenwart, sondern in den 1920er Jahren befindet und dort Schlag auf Schlag, seine Idole aus jener Epoche kennenlernt.

Meinung:

Das ist der beste Film des bisherigen Kinojahres. Er hat alles: Charme, Witz, großartige Dialoge, glühende Darsteller und ein kleines bisschen Magie. Woody Allens neuer Film, sein 42. um genau zu sein, wurde komplett in Paris gedreht und ist, so klischeehaft wie es klingt, eine Liebeserklärung an die Stadt und ihre Geschichte, vor allem an die seiner Künstler. Owen Wilsons Charakter hat es satt, belanglosen Quatsch zu schreiben und wünschte sich in den Zwanzigern gelebt zu haben, mit Hemingway, Fitzgerald und Cole Porter am Klavier. Eben die Zeit, die für ihn die prägendsten Werke des Jahrhunderts hervorgebracht hat und so entführt ihn die Geschichte tatsächlich dorthin und den Zuschauer gleich mit. Da ich selbst eine kleine Liebe für die goldenen Zwanziger in mir trage, war ich sofort begeistert. Von den Kostümen, der Atmosphäre, dem scharfen Witz, der heutzutage in jeglicher Diskussion verlorengegangen zu sein scheint. Da wurde mir durchaus die sepiagetönte Brille, mit der man heutzutage jene Epoche gerne sieht, verpasst und sie abzusetzen fiel mir durchaus schwer.

Tatsächlich fühlt man sich intellektuell herausgefordert und ich ertappte mich dabei den ein oder anderen Namen zu googlen, der im Film "gedropt" wurde. Man will ja auch nicht dumm sterben. Ziemlich schnell wird klar, dass Inez nicht wirklich zu Gil passt, da sie sich grundsätzlich nicht auf Augenhöhe treffen. Im Gegensatz zu seinen neuen Freunden, die ihn als einen der Ihren sofort akzeptieren, obwohl Gil natürlich zunächst fast in Ehrfurcht vergeht. Inez' Collegefreund, der Besserwisser Paul (Michael Sheen), ist unerträglich und ihre Anziehung zu ihm wohl auch noch nicht überwunden. So distanziert Gil sich vom Tagesgeschehen immer mehr und flüchtet sich in die aufregenden Nächte, in denen er auch Picassos Muse, Adriana (Marion Cotillard) begegnet und sich eine gegenseitige Anziehung bis zu einem entscheidenden Erlebnis steigert. Marion Cotillard könnte ich ja beim Vorlesen aus dem Telefonbuch zusehen und wäre unterhalten, ihre kokette Ader kann sie hier voll ausspielen.

Jeder Künstler, der seine Idole treffen wollen würde, jeder Mensch, der sich schon einmal fehl am Platz und in der Zeit gefühlt hat, wird sich von dem Film angesprochen fühlen und wie Gil erkennen, dass es Menschen schon immer so gegangen ist. Immer mal ist man mit der Gegenwart auf eine diffuse Weise unzufrieden; hat das Gefühl, "damals war alles besser". Der Film macht einem deutlich, dass immer die Perspektive ganz entscheidend für diese Beobachtung ist. Woody Allen bricht eine Lanze für die Träumer dieser Welt, mit der Aufforderung, vielleicht einmal gedankenverloren durch die Stadt der Träume zu laufen und alles wahrzunehmen, anstatt von einem Termin zum anderen zu power walken.

Fazit:

Unbedingt ansehen und danach glücklicher sein. Fröhlicher das Kino verlassen und den Tag wertschätzen.

Wertung:

10 von 10 Punkte

Filminfo:

  • FSK: ohne Altersbeschränkung
  • Länge: 94 Min.
  • Verleih: Concorde
  • Start: seit 18.08.2011 im Kino


18 August 2011

Ab heute im Kino: “Captain America - The First Avenger”

Kurzinhalt:

Ein junger, schmächtiger Mann muss miterleben, wie seine Freunde und viele andere junge Männer bei Kriegseintritt der USA in den 2. Weltkrieg, zur Armee gehen, um ihrem Land zu dienen. Steven Rogers (Chris Evans, Fantastic Four) ist aber aufgrund seiner Statur kein Material für einen Soldaten und wird ausgemustert - mehrere Male. Am Vorabend des Einsatzes seines Besten Freundes Bucky (Sebastian Stan, Kings), besuchen sie die Weltausstellung 1939 in Flushing Meadows, New York. Dort versucht er es noch einmal und scheitert erneut. Er zieht jedoch das Interesse von Dr. Erskine (Stanley Tucci, The Core) auf sich, der ihm schließlich die Möglichkeit bietet, über eine "spezielle Ausbildung" doch noch an die Front zu kommen. Die immer weiter steigenden Verluste an der Front und die scheinbare Unbesiegbarkeit der Nazis durch die Spezialkräfte der Hydra, machen es notwendig sein Training zu einem Abschluss zu bringen und ihn dank Serum und Bestrahlung zum ersten Supersoldaten zu machen. Nach seiner ersten Heldentat jedoch muss er im Land bleiben, da sich das Experiment nicht wiederholen lässt und er wird Teil der amerikanischen Propagandamaschinerie. Erst als er in Europa die Truppen bespaßen soll, bietet sich ihm schließlich die Möglichkeit zu beweisen, dass er bereit für den Einsatz ist und es mit Red Skull (Hugo Weaving, The Matrix), dem Anführer der Hydra aufnehmen kann.

Meinung:

Hier sind wir also nun - Tony Stark hat das Vermächtnis seines Vaters angenommen und fliegt im eisernen Anzug um die Welt, Bruce Banner versteckt sich mit dem Problem des Kontrollverlustes vor der Welt und der Gott des Donners übt Mjölnirweitwurf, bis er über die Regenbogenbrücke zurückkehren kann in die Welt - der Einsatz der Superheldentruppe von Marvel steht kurz bevor. In keinem der anderen Filme hat man so deutlich gespürt, dass The Avengers sich zusammenrotten, wie in Captain America.
Auch wenn die Verbindungen zwischen den Charakteren des Marvel-Universums nie subtil waren, bestimmten sie jedoch nicht in entscheidendem Maße das Filmgeschehen. Captain America führt meines Erachtens gerade die Elemente aus Iron Man und Thor hervorragend zusammen und bereitet auf das Kommende vor. Was auf gewisse Weise auch die Schwachstelle des Films ist, aber dazu später mehr. Gleich zu Beginn werden die Verbindungen deutlich, als Red Skull eine Machtquelle sucht, die von Odin in Norwegen versteckt wurde. Weiter geht es mit Tonys Vater, Howard Stark (Dominic Cooper, The History Boys), der nicht nur auf der Weltausstellung auftritt, die sein Sohn in Iron Man 2 als "Stark Expo" erneut ausrichtet, sondern eine der Hauptrollen inne hat. So ziehen sich die Fäden durch den gesamten Film, der von einem Rahmen gehalten wird, der mit zur erwähnten, wenn auch irgendwie notwendigen, Schwachstelle des Films gehört.

[Spoiler zum Einblenden markieren] Der Film beginnt nämlich in der Gegenwart und man sieht wie ein Bergungstrupp, den gefrorenen Titelhelden im Bauch eines zerschellten Flugzeuges findet. Dadurch wiederrum kennt man sofort das Ende des Films, was die Bedeutung der Ereignisse des Films etwas schmälert. Genauso verhält es sich mit der Überzahl der zusammenzuführenden Geschichten, diese lassen Captain America zu einer Art Transitfilm auf dem Weg zu The Avengers werden. So avanciert der Film mehr zu einem notwendigen Übel, als zu einer eigenständigen Geschichte und hat starke Parallelen zu Hellboy, Sky Captain.. alles mit Nazis, (Kult-)Forschung der Nazis und steampunkige Technik.. Auch hier war ich - wie bei Thor - nicht mit der Comicbuchvorlage vertraut, war aber von dem komplett anderen Grundton des Film überrascht. Thor wirkte auf mich recht unbeschwert, vielleicht auch wegen des streckenweise überbordenden Humors, der Captain America völlig abgeht.

Dennoch ist Captain America kein schlechter Film, er ist nur sehr zielorientiert - "streamlined" - wie es so schön heißt. In der Tat landet für mich sein Schild knapp hinter Thors Hammer. Besonders angetan hat es mir die Arbeit des Art Departments. Die typische kantige Alltagskunst in und auf Propagandamaterialien und die dazu passenden Pin-Up Girls - die Kriegsanleihen an dem Mann bringen wollen - und Captain Americas Rolle in all dem, zeichnen eine Karikatur der USA zu dieser Zeit. Alles ist eine Flagge zu groß und einen gestelzten Spruch zu gestellt. Der Film persifliert den, für nicht-Amerikaner in anderen Produktionen, oft übertrieben wirkenden amerikanischen Patriotismus mit seinem eigenen Helden - der Verkörperung dieses Patriotismus und übertreibt dabei so konsequent um 110%, dass es sich nur um Absicht handeln kann.

Leider bleibt der Bösewicht des Films recht eindimensional zurück, so toll fies Weaving den gebrandmarkten Red Skull auch spielt,  er ist einfach nur böse und dabei wird nicht einmal ganz klar, was er denn erreichen will, wenn er seine Waffen eigesetzt hat. Die Motivation von Loki in Thor war mir dagegen sehr viel einleuchtender und nicht so simpel. Aufgrund der langen Einleitung, bis der Captain das erste Mal in den Kampf zieht beschränken sich die Aufeinandertreffen zwischen ihm und Red Skull auf ganze zwei Stück. Alles zwischen ihrem ersten Aufeinandertreffen und dem Finale wird mehr oder weniger gerafft dargestellt, da es sich durchaus um redundante Ereignisse [Spoiler zum Einblenden markieren] - die Zerstörung der Hydra-Waffenfabriken - handelt, ist das natürlich nicht so schlimm, aber deren angeblich erfolgreicher Ausgang macht das Ende umso widersprüchlicher. Wenn trotz aller Erfolge dann immer noch möglich ist, was gezeigt wird.

Andere Charaktere haben es allerdings auch nicht leicht. Hayley Atwell (Die Säulen der Erde) macht einen guten Job als taffe Peggy Carter an seiner Seite, auch wenn sie nur unmerklich mehr zu tun bekommt, wie Natalie Portman in Thor. Ebenso schade läuft es für das bunte Team, mit dem Rogers dann unterwegs ist. Jeder ist recht speziell und hätte mehr Aufmerksamkeit verdient und so verblassen sie, bis auf eine dramatische Szene mit Bucky, neben ihm. [Spoiler zum Einblenden markieren] Leider fällt es schwer Gefühle für irgendeine der Figuren zu entwickeln, wenn man weiß, dass am Ende eh nur Steve Rogers übrig bleibt und die anderen, denen man auch zwei Stunden gefolgt ist, im Nirwana verschwunden sind. Der Film hinterlässt in der Hinsicht einfach einen flüchtigen Eindruck.

Fazit:

Marvel-Fans und The Avengers-kaum-erwarten-Könner können ganz klar den Film gucken und sich auf jedes kleine Detail freuen, das man ihnen auf dem Silbertablett kredenzt. Fans von Captain America selbst könnten allerdings etwas enttäuscht werden, so sind klar die Hauptpunkte seiner Entwicklung vorhanden, aber es wirkt gen Ende etwas gehetzt, insbesondere, wenn man die Exposition durchaus hätte raffen können.

7 von 10 Virbranium Schilde

PS. Die 3D-Nachbearbeitung war natürlich überflüssig.

Filminfo:
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Länge: 124 Min.
  • Verleih: Paramount
  • Start: 18.08.2011




03 August 2011

Ab morgen wird Geschlumpft!

Was passiert?

Das kleine Pilzdorf der Schlümpfe - Schlumpfhausen - befindet sich in heller Aufregung. Das Blaumondfest steht bevor und jeder ist dabei das Dorf herzurichten und den großen Auftritt zu proben! Clumsy, die gute Seele, möchte natürlich helfen und auch das Lied üben, sorgt aber schon auf dem Weg zum Dorfplatz, für ein heilloses Durcheinander. Papa Schlumpf schickt ihn schließlich in den Wald um noch ein paar Beeren zu besorgen und den anderen Schlümpfen nicht die Vorbereitungen kaputt zu machen. Leider verlässt er dabei den Zauber, der das Dorf vor Gargamels Augen versteckt und wird von eben diesem dabei beobachtet, wie er zum Dorf zurückkehrt. Im Dorf versucht Gargamel natürlich Schlümpfe zu fangen, diese können aber fliehen. Clumsy, rennt wieder einmal in die falsche Richtung und eine kleine Gruppe folgt ihm um ihn vor Unheil, also meistens sich selbst, zu bewahren. In der Höhle am Ende des Weges spielt sich derweil Magisches ab, in der anbrechenden Blaumondnacht bildet sich dort ein Strudel, der alles in sich hineinsaugt, das ihm zu nahe kommt. Als die Schlümpfe drohen in den Strudel gezogen zu werden, schließt Gargamel zu ihnen auf und Papa Schlumpf sieht keine andere Möglichkeit ihm zu entkommen, also lässt er los und er und seine kleinen Schlümpfe treten eine Reise in ein sehr merkwürdiges Königreich, voller großer Türme und Burgen an... New York City.

Meinung

Nach etlichen Comicalben, einem Zeichentrickfilm und der wohl allen bekannten Zeichentrickserie von Hanna-Barbera, wagt man mit Die Schlümpfe in 3D den Sprung in eine Mischung aus Live-Action und Animation. Dabei verlassen die Schlümpfe ihren magischen Wald das erste Mal in die reale Welt, auf der Flucht vor Gargamel und seinem Kater Azraël. Die liebevoll animierten Schlümpfe sind so niedlich, man will direkt einen mitnehmen. Leider ist die Interaktion zwischen Menschen und Schlümpfen ein ums andere Mal als gespielt zu erkennen. Mal stimmt eine Blickrichtung nicht ganz oder eine Pose, in der ein Schlumpf gehalten werden soll. Kinder werden es verzeihen, mir fiel das leider auf. Gerade weil Interaktion mit Objekten glaubhaft wirkte. Kinder. Kinder werden den Film lieben und ich halte es für notwendig, dass ältere Generationen, die damit aufgewachsen sind, ihren Kindern vielleicht auch mit diesem Film die Schlümpfe zum ersten Mal näher bringen. Die "Action" ist tatsächlich auf Schlumpf-Niveau und auf ihr liegt kein so großes Gewicht wie auf den Beziehungen der Schlümpfe untereinander, es ist ein wahrer Kinderfilm. Was nicht bedeutet, dass Erwachsene sich nicht an ihre Kindheit erinnert fühlen dürfen.

Auf der Seite der Realschauspieler bekommt man es in Die Schlümpfe mit einem Stelldichein der Vorabendserienelite zu tun. Die Schlümpfe landen bei Patrick Winslow und seiner schwangeren Frau Grace, gespielt von Neil Patrick Harris (Barney, "How I Met Your Mother") respektive Jayma Mays (Emma, "Glee"). Patricks Chefin Odile wird von Sofía Vergara (Gloria, "Modern Family") gespielt und Gargamel von Hank Azaria, der vor allem durch seine etlichen Original-Sprechrollen bei den Simpsons bekannt ist. Auf Seite der Schlümpfe konnte im Original Katy Perry für die Sprechrolle der Schlumpfine gewonnen werden, Alan Cumming spricht McTapfer, einen Schlumpf, der extra für den Film erfunden wurde und Anton Yelchin den wahren Held des Films, Clumsy. Die deutschen Stimmen müssen sich dahinter nicht verstecken, auch wenn man bei Reiner Schöne als Papa Schlumpf schonmal denkt, Optimus Prime würde den Angriff befehlen...

Die Themen sind kindgerecht aufbereitet und daher wenig subtil und typisch amerikanisch. Vom unwahrscheinlichen Helden, über "einstehen, für das, an das man glaubt", bis zum Thema, was es bedeutet, ein Vater zu sein, ist alles dabei. Warum Patrick nun ausgerechnet in der Werbeabteilung einer Kosmetikfirma arbeiten muss, erschließt sich mir nicht, das und der sich daraus ergebenden Plotstücke, dürften das einzige sein, zu dem Kinder keinen wirklichen Zugang haben. Es gibt dadurch Teile des Films, die sich eher an das begleitende Erwachsenenpublikum richten, als an deren Kinder. Ich weiß hier nicht so genau, ob ich das positiv sehe, in der Hinsicht, dass so für jeden was dabei ist, oder eher nicht und dass die Macher sich nicht so recht für eine Zielgruppe entscheiden konnten. Gargamel folgt den Schlümpfen natürlich und will in der neuen Welt seinen Plan, Schlumpfessenz zu gewinnen umsetzen. Hier wird mein Willen, meinen Unglauben auszusetzen, ziemlich strapaziert. Er fällt auf wie ein bunter Hund, wendet sogar - dank Schlumpfessenz - Magie an, richtet sich in einem Gebäude im Central Park häuslich ein und niemand hindert ihn daran oder interessiert sich für ihn, außer Kosmetikprinzessin Odile, die mit seiner Hilfe mehr Umsatz wittert.

Natürlich verhindern diese Kleinigkeiten nicht den allgemeinen Charme des Films und seiner Figuren, nein es gibt auch witzige Situationskomik, wenn sich beispielsweise die Schlümpfe im New Yorker Verkehr verstecken wollen und dabei vor Taxireklameschildern von Blue Man Group und BluRay Disc stellen. Man fand außerdem einen cleveren Weg, die (2D-)Geschichte der Schlümpfe und ihren Schöpfer, Peyo, in den Film zu integrieren. Ja, die Geschichte spielt eine entscheidende Rolle für die Schlümpfe, damit die ihren Heimweg antreten können.

Fazit

Dieser Familienfilm eignet sich für Kinder ebenso wie die Generation 30+ und lässt die liebgewonnenen Figuren ein Leinwandabenteuer erleben, dass - trotz des sehr ungewöhnlichen Ausflugs - gut in die von Peyo und seinen Nachfolgern geschaffene Welt passt und die Schlümpfe teilweise zu mehr macht, als Sklaven der Eigenschaften, deren Namen sie tragen. Der Niedlichkeitsbonus geht natürlich durch die Decke und ich bin mir sicher, dass der Film Eltern landauf landab nicht nur das Geld für die Eintrittskarte kosten wird.

7 von 10 Schlumpfbeeren

“Die Schlümpfe” in 3D, ab 4.8.2011 im Kino


27 Juni 2011

The Tree of Life

- seit 16.06.2011 im Kino -

Inhalt:
Jack (Sean Penn), ein Mann im Anzug, wie viele Andere in irgendeinem Job, in irgendeinem Turm aus Glas und Stahl. Auf der Suche nach Bestimmung, erinnert er sich an seine Kindheit in einer texanischen Kleinstadt der 60er Jahre. Angefangen von unbeschwertem Herumtollen entwickelt sich ein Bild einer Familie, in der die Elternparts unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Mutter (Jessica Chastain) ist wie ein Bündel emphatischer Energie, mehr im Augenblick verwurzelt und die angebliche Göttlichkeit in allen Dingen bewundernd. Der Vater (Brad Pitt) hingegen bedauert seine eigenen Lebensentscheidungen und versucht Jack und seine Brüder mit strenger Hand auf eine feindliche Welt vorzubereiten. Parallel dazu läuft dokumentarisch die Entstehung des bekannten Universums ab, die in der Entstehung von Leben auf der Erde gipfelt.

Meinung:
Poesie. Poesie dient Menschen dazu Unbegreifliches, Unerklärbares in unzulängliche Worthülsen zu packen, die bei aller Gewandtheit doch nur an der Oberfläche eines abstrakten Konzeptes wie Liebe oder Glauben kratzen können. Terrence Malick ist nun ein moderner Poet oder man sieht ihn zumindest gern als solchen. Sein Mittel sind gesprochenes Wort und Bilder. Gewaltige Bilder. Leider schafft er es jedoch nicht einen plausiblen Zusammenhang zwischen Familiendrama und Astrodoku zu weben. Vielmehr hat man den Eindruck einem christlichen Wissenschaftler bei dem Verfassen eines defragmentierten Buches zuzusehen. Er versucht Gott, in jeden Klumpen Materie und in die metaphysischen Konzepte wie Seele zu pressen. Für mich als Ungläubigen waren die 137min Film eine rechte Tortur.

Ich war froh, wenn man dem Universum beim Entstehen zusehen konnte und nicht dieses verkopfte Familienschicksal beim eskalieren miterleben musste. Ein Schicksal, dass in Form von Erinnerungsfetzen am Betrachter vorbeischwebt und mit einer übermäßigen Häufung der selben Bilder krampfhaft versucht poetisch zu erscheinen. Da wird zum hundertsten Male dramatisch durch eine Tür gegangen und ein Lichtschein auf Irgendwen oder Irgendwas gelenkt. Dabei ist dieses häusliche Drama kein Besonderes. Vielleicht zeichnet es sich dadurch aus, dass es nicht eindimensional zeigt, der Vater ist der Böse, die Mutter ist die Gute, sondern davon ausgeht, das jeder Mensch zu beidem fähig ist. So gibt es auch wundervolle intime Momente zwischen Vater und Söhnen, die in ihrer Häufigkeit nur leider nicht so stark ausfallen wie die Herrschsüchtigen. Genauso wie die Bilder in Fetzen auf der Leinwand erscheinen, gibt es endlos wenig Dialog überschattet von szenenübergreifenden einsilbigen, fast mantrahaften Monologen von Jack. Im Rahmen des Möglichen waren die Darstellungen der Familie, besonders der Söhne, recht gut. Ihre Angst vor dem Vater und ihre Position zwischen Vater und Mutter konnten diese drei texanischen Jungs ohne Schauspielerfahrung gut meistern. Aufgrund der Fetzen war es möglich ein wenig Entwicklung innerhalb der portraitierten Kindheitsphase zu erkennen, aber auch hier bleibt es mehr bei Dingen, die der Familie zustoßen, als bei großen Veränderungen in den Charakteren selbst.

Ich würde dem Film Poesie zugestehen, wenn die ganzen Gott- und Schöpfungsgleichnisse heruntergeschraubt würden. Sie entsprechen nicht meiner Lebenswahrheit und umso weniger kann ich mit ihnen etwas anfangen. Im Gegenteil, bei mir baut sich Widerstand auf, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse für spirituelle Zwecke missbraucht werden. Wer The Fountain von Aaronofsky mochte, dürfte hier einen Orgasmus nach dem anderen haben. In der Tat war The Tree of Life für mich der größte und gleichzeitig bombastischste, esoterische Schwachsinn, den ich je gesehen habe. Der Film bekommt ein Beinchen für die schönen Bilder vom Hubble-Teleskop und den dokumentarischen Teil des Films, der einem nicht zuletzt wegen dem Effektspezialisten Douglas Trumbull wie ein Teil von 2001: Odyssee im Weltraum vorkommt. Wäre es bei dieser Space-Opera geblieben, sähe mein Urteil ganz anders aus, doch die Verknüpfung mit einem Drama ist meines Erachtens ganz großer Quatsch.

Fazit:
Wer sich in die Weiten des Weltraums entführen lassen und von den astronomischen Kräften beeindruckt werden möchte greift doch lieber zu einer Doku, auch wenn man solche Bilder leider wirklich kaum unkommentiert im Kino zu sehen bekommt. Familiendrama funktioniert besser in Serie, Shameless wäre da meine Empfehlung. Was der Familiengeschichte nämlich komplett fehlt ist Humor, es wird immer bedrückender und düsterer und ist durchgehend ernst, egal wie toll die Mutter die Umwelt in sich aufsaugt und wie unbeschwert manche Momente erscheinen mögen.

2 von 10 Urknalle

Filminfo:

  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Länge 138 Min.
  • Verleih: Concorde
  • Start: 16.06.2011

19 Juni 2011

Kung Fu Panda 2 (in 3D)

Das Tal des Friedens. Hier haben wir den Drachenkrieger Po zuletzt gesehen, als er über sich selbst hinauswuchs, seine Fähigkeiten als Kung-Fu-Krieger akzeptierte und den Bösewicht Tai Lung besiegte. Hier nun steigen wir erneut in ein Abenteuer ein, indem es nicht nur um den Frieden im eigenen Tal geht, sondern um Frieden in ganz China und den Erhalt der Kung-Fu-Tradition. So erreicht den Tempel Nachricht aus der fernen Stadt, dass ein Feind aufgetaucht ist, der nicht nur den Herrschaftsanspruch über China einfordert, sondern die alte Kampfkunst selbst durch Feuer und Eisen aus der Welt tilgen will. So machen sich die Furiosen Fünf und der Drachenkrieger Pandabär Po auf, um die gefangenen Kung-Fu-Meister der Stadt zu befreien und dem Schrecken ein Ende zu setzen. Dabei wird die Reise und Konfrontation zu einer sehr persönlichen Angelegenheit für Po, will er doch endlich mehr über seine Herkunft erfahren. Schicksalshaft ist dabei die Verbindung zwischen ihm und dem neuen Übel, dass über das alte China hereinzubrechen droht.

Po ist immer noch dabei viel zu lernen und hat seine notorische Faulheit nicht abgelegt. Sehr herzerwärmende Szenen zwischen ihm und seinem Ziehvater, dem Nudelverkäufer im Tal, und eine recht düstere Geschichte, lassen den Film nicht allzu kindlich werden. Was vielleicht auch am ausführenden Produzenten Guillermo del Toro liegt, der für seinen fantastischen, aber dennoch oft düsteren Stil bekannt ist. Die Regisseurin Jennifer Yuh Hat der Action vielleicht ein wenig zu viel Screentime eingeräumt, denn große Charakterentwicklungen oder Hintergründe zu den anderen Figuren werden zwar geliefert, aber doch recht fix abgehandelt. Dennoch schafft es Kung Fu Panda 2 in der Tradition alter Kung-Fu-Filme ein ordentliches Action-Feuerwerk abzuliefern, das unterhält und dem ersten Film in nichts nachsteht. Ein wirklich gelungener zweiter Teil, einer möglicherweise mindestens noch einen weiteren Film dauernden Reihe.

Die von den Künstlern bei DreamWorks Animation geschaffenen Bilder sind ein wahres Fest für die Augen, der Stil unverkennbar aus dem ersten Teil übernommen und um viele Details erweitert, sehen wir liebevoll nicht zu real erscheinende Tiere, die leben, arbeiten, kämpfen und menschliche Rollen einnehmen. John Powell & Hans Zimmer führen ihr Werk fort und entführen uns mit fernöstlichen Klängen in eine magische Version des alten China. Das 3D war hier wirklich wirklich gut, was vermutlich an der digitalen Herkunft der Animationen liegt, so sind diese Filme prädestiniert für eine bebrillte Vorstellung. Wer die Chance hat und sich befähigt fühlt, sollte sich die Originalfassung anschauen, denn diese war nicht nur mit den selben Stimmen besetzt wie der ersten teil sondern auch um ein paar großartige Neue bereichert. So spricht Michelle Yeoh die Wahrsagerin, die Po bei der Suche nach Antworten unterstützt, Martial-Arts-Haudegen Jean-Claude Van Damme den Kung-Fu-Meister Croc und Gary Oldman den Bösewicht Lord Shen.

Kung Fu Panda 2 ist ein Unterhaltungsfilm für die ganze Familie und für alle, die den ersten Teil mochten ein Muss. Lasst euch mit auf eine Abenteuerreise nehmen und von der Atmosphäre verzaubern.

9 von 10 Nudeln

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10 Juni 2011

X-MEN: Erste Entscheidung (ab heute im Kino)

Nach der Trilogie und einer Origin-Story dürfen Marvels Mutanten erneut in Aktion treten. Auch diesmal handelt es sich um die Geschichte des Entstehens. Doch wird viel mehr als bei Wolverine auf die Entstehung der zwei antagonistischen Gruppen innerhalb der Gemeinde der Mutanten Wert gelegt. Wie trafen Proffessor X und Magneto aufeinander, wie kamen sie zu ihren Decknamen und was brachte sie auseinander? Diese Themen behandelt das, mit dem deutschen Titel Erste Entscheidung (statt First Class) versehene, Leinwandabenteuer.

Dabei wurden auch bekannte Szenen verwendet und erweitert; so sehen wir nun was Erik im Vernichtungslager der Nazis wiederfährt und wie stark ihn seine Erlebnisse dort prägten, ja sie sind sogar der Entstehunspunkt des Hauptplots des restlichen Films. In einem Fall bringt für mich das Auslassen einer bestimmten Begegnung, wie wir sie in Teil 3 der ursprünglichen Trilogie gesehen haben, ein Kontinuitätsproblem mit sich, was aber eher daran liegt, wie Teil 3 diese dargestellt hat. Ihr werdet wissen, was ich meine, wenn ihr ins Kino geht - denn das, solltet ihr unbedingt!

Diese Geschichte ist um einiges spannender, persönlicher und vielschichtiger als The Last Stand. Der Film war bei uns (bei knapp über 2h unverständlicherweise) mit Pause. Zeit, die ich lieber noch im Film gehabt hätte, weil er extrem viel Handlung, Schauplätze und zwei Zeitperioden umspannt um die Brücke zum ersten X-Men mit allen möglichen dort schon beginnenden, erahnbaren Handlungssträngen zu schlagen. Leider wirkt er dadurch doch etwas gehetzt, vermutlich wäre ein Kurz-Serienformat für diese Art Geschichte echt von Vorteil.

Kennern der Filme werden all die kleinen Verknüpfungen und Hinweise, die dieser Film wie Brotkrumen auf den Weg der Zuschauer streut lieben. Kenner der Comic(buch-)reihe werden vermutlich wie schon vorher Diskrepanzen feststellen, aber diese kann ich nicht wiedergeben. Neben einigen bekannten Figuren setzt sich diese "1. Klasse" auch aus mir vorher unbekannten Mutanten zusammen. Auch gibt es Beziehungen der Figuren untereinander, die mir so nicht bekannt waren und auch hier kann ich leider nicht sagen wie viele Freiheiten sich die Macher herausgenommen haben.

Abseits der Mutantengeschichten spielt der Film zeitlich zur Kubakrise/im Kalten Krieg und bedient sich ihrer und integriert sie in das X-Men-Universum, ähnlich we die Nixonära in Watchmen angepasst wurde. Nun aber zum Besten am ganzen Film: die Besetzung.

James McAvoy (Charles Xavier/Prof. X) & Michael Fassbender (Erik Lehnsherr/Magneto) spielen ihre übermenschlichen Rollen mit der selben Hingabe und der Spannung, wie man sie immer zwischen Patrick Steward und Ian McKellen gespürt hat, wenn sie in den selben Rollen aufeinandertrafen. In gewisser Weise sind sie sogar besser, da sie den Anfang dieser Freundschaft und die unausweichliche Trennung zeigen mussten.

Die jungen Mutanten im Film sind zuerst natürlich völlig unvorbereitet auf die Situation in die sie von den beiden gebracht werden und die meiste Zeit doch eher als Teenager angelegt, die dem sonst sehr ernsten Geschehen ein kleines Gegengewicht liefern. Alles in Allem finde ich dieses Prequel extrem gut gelungen, natürlich sind auch die Effekte gut und das Fehlen von 3D war eine willkommene Abwechslung. Einzig ein Moment von deutlich als animiert erkennbaren Palmenbäumen sprang mir ins Auge. Als Ursprungsgeschichte kann ich X-MEN: Erste Entscheidung nur wärmstens empfehlen.

8 von 10 mutierte Gene

Filminfo:

  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Länge 131 Min.
  • Verleih: Fox
  • Start: 09.06.2011

28 Mai 2011

FarScape – Der Anfang vom Ende des Anfangs

Sechseinhalb Jahre nach dem Ende der Serie mit dem Fernsehfilm The Peacekeeper Wars, bringt Panini Comics die Comicbuchreihe von Boom Studios übersetzt in Deutschland heraus. Den Anfang macht Buch 1: Der Anfang vom Ende des Anfangs. Im englischen Original erschienen zunächst 4 Einzelhefte bei Boom Studios und später dann, das nun seit 12. April 2011 auch in Deutsch vorliegende, Comicbuch, dass diese vier Hefte in sich vereint. Das Buch beginnt direkt nach der letzten Szene des Fernsehfilms, in der Aeryn Sun und John Crichton mit ihrem Sprössling auf der Aussichtsplattform von Moya stehen. Sofort schleicht sich eine neue dunkle Bedrohung über das folgende Panel, denn ein schwarzes Schiff mit einem nicht weniger düster aussehenden Piloten verfolgt Moya. Derweil hat Rigel Kontakt zu seiner letzten noch verbliebenen Ehefrau Mmyna aufgenommen und hofft nach dem Abzug der Scarraner, nun endlich auf seinen Thron zurückkehren zu können.

Bishan, Rigels Cousin und Thronräuber, war jedoch nicht untätig und hat ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt um ihn gefangen zu nehmen und hinzurichten, sollte er jemals in hynerianisches Territorium zurückkehren. Eigentlich sollte die Herrschaft nach inzwischen 50 Zyklen und der Besatzung durch die Scarraner nach Unterzeichnung der Waffenruhe, an Rigel zurückfallen, doch Bishan weigert sich. Jothee wird unterdessen von der nymphomanischen Chiana auf Trab gehalten. Aeryn fühlt sich glaubwürdig von ihrer neuen Rolle als Mutter überfordert und denkt immer, dass sie nicht besser sein wird als ihre Eigene. Dass John mit dem Säugling scheinbar mühelos umgeht und dieser sich in seiner Obhut immer beruhigt, trägt nicht zu einer Besserung von Aeryns Stimmungslage bei. Noranti versucht mit ihren Tränken zu helfen. So macht sich Moya gesteuert von Pilot auf nach Hyneria. Dort angekommen muss die Crew von Moya feststellen, dass ein alter Bekannter hinter den Kulissen die Strippen zieht...

Soviel zum Einstieg in diese erste Fortsetzung der Geschichte um den ehemaligen Gefangenentransport und seine bunte Besatzung, der natürlich leider unglaublich lieb gewonnenen Charaktere fehlen. Dennoch, man merkt der Geschichte an, dass sie aus der Feder des Serienschöpfers Rockne S. O'Bannon stammt und von einem erfahrenen Genre-Autor in ein Dialogskript für die Panels umgesetzt wurde. Als Serienfan findet man sofort Anschluss und trauert dem Bewegtbildende doch ganz schön hinterher. Die Dialoge, die Art und Weise, wie die Figuren in der Serie miteinander redeten ist 1A getroffen - mit ein wenig Vorstellungskraft hört man die Stimmen von Claudia Black oder Ben Browder. Auf 100 Seiten bekommt man hier eine würdige, detailliert gezeichnete, FarScape-Geschichte präsentiert, die ebenso wie die Serie mehr als einen Handlungsstrang aufgreift. Dabei wird mit der dunklen Figur vom Anfang scheinbar ein größerer Storybogen begonnen, der die Bücher über längere Zeit begleiten wird, zu dem parallel, die Geschichte um Hyneria und Rigels Schicksal das Hauptthema dieses ersten Bandes ist.

Der einzige Kritikpunkt, den ich habe, ist die Darstellung von Actionszenen im All, denen man auf 2-3 Panels nicht besonders gut folgen kann. Die Choreografie und der Überblick über solche Szenen, ist schon bei bewegtem Bild eine technische Herausforderung und auf begrenztem Raum durch Zeichnungen wird es sicherlich nicht einfacher, so etwas zu präsentieren. Eigentlich spielen diese für die Geschichte an sich, auch nicht wirklich eine große Bedeutung. Einen einzigen Rechtschreibfehler hab ich gefunden und ich werde ihn behalten. Ansonsten kann ich an der Übersetzung nichts aussetzen. Ich kenne das englische Originalskript nicht, aber habe die Serie im Original gesehen und mir ist kein größerer Faux Pas aufgefallen - Peacekeeper heißen auch hier weiterhin Peacekeeper.

Für knapp 15€ bekommt ihr hier eine echte FarScape-Story mit den Figuren, die ihr seit dem Ende der Serie vermisst. Dieses Buch ist aber tatsächlich nur was für Leute, die die Serie gesehen haben. Neueinsteiger können sicherlich der Hauptstory mühelos folgen, haben aber keine Ahnung, wer die handelnden Personen sind, wo sie herkommen und was sie gemeinsam durchgemacht haben. Es ist eben eine echte Fortsetzung. Den Fans wie mir, kann ich den Comic ans Herz legen. Bei Boom Studios in den USA erscheint neben den Buchbänden, derer es inzwischen sieben Stück gibt, auch eine fortlaufende Einzelheftreihe. In welchem Zusammenhang diese beiden Veröffentlichungen stehen ist mir leider nicht bekannt. Je nach Erfolg wird Panini vermutlich die bisher erschienen Bände weiterhin übersetzen und veröffentlichen - im Oktober 2011 soll Band 2 erscheinen.

Auf PaniniComics.de findet ihr eine kostenlose Leseprobe und ihr könnt euch vom Stil und den Dialogen selbst ein Bild machen.

Wertung: 8 von 10 Starbursts

Disclaimer: Panini stellte mir den Comic für eine Rezension zur Verfügung.


24 Mai 2011

Fluch der Karibik 4 – Fremde Gezeiten

Nach dem Ende der Geschichte um William Turner und Elizabeth Swan, folgt Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) erneut, aber allein, dem Kurs seines magischen Kompasses. Wie der Blick auf die Seekarte im letzten Teil schon andeutete, ist das Objekt der Begierde in Fremde Gezeiten die Quelle der Jugend. In der alten Welt stehen Spanien und England in kriegerischer Konkurrenz zueinander. Angetrieben von ihren Glaubensausprägungen wollen sowohl Spaniens als auch Englands König, die Quelle erreichen. In London nun, heißt es, sucht Jack Sparrow eine neue Crew. Keiner ist von diesem Gerücht überraschter als Jack selbst. Dort treffen wir auch auf Barbossa (Geoffrey Rush), nun als Freibeuter in Diensten seiner Majestät stehend, der Rache für den Diebstahl der Black Pearl und den Verlust eines Beines geschworen hat. Blackbeard (Ian McShane), der Piratenbösewicht in diesem vierten Teil, hat ihm die Pearl und das Bein genommen. Dieser ist seinerseits getrieben von einer Prophezeiung auch auf der Suche nach dem Ort, der ewiges Leben verspricht. Alle wollen Jack, bzw. seinen treuen ersten Maat Master Gibbs (Kevin McNally), der den Kurs über die verschiedenen Stationen zur Quelle im Kopf hat. So erlebt der Zuschauer in diesem rumgetränkten 3D-Abenteuer ein klassisches Wettlauf-Szenario, angereichert mit den typischen Sprüchen von Capt. Jack und dem restlichen Piratenpack.

Die Mischung altbekannter und neuer Figuren macht Fremde Gezeiten interessant, v.a. die Hass-Freundschaft zwischen Barbossa und Sparrow macht ihn doch sehr kurzweilig. Sie hat außerdem den Effekt, dass man hier eine gute Verbindung zu den ersten drei Teilen geschaffen hat ohne sich zu wiederholen und ich kann nachvollziehen, dass man von dem Liebespaar genug hatte. Auf der Suche nach Antworten, begegnet Jack schließlich einer alten Flamme, Angelica (Penélope Cruz). Ihre Loyalität ist mehr als einmal unklar, sie versucht aber mit Hilfe eines jungen Priesters Blackbeards dunkle Seele zu retten, sollte die Prophezeiung wahr werden und die Quelle nicht rechtzeitig erreicht werden. Der Priester selbst wird im Laufe der Reise getestet und wird eine Entscheidung zu treffen haben.

Die vorherigen drei Teile sind zugleich Segen und Fluch dieses vierten Films. Zum Einen fühlt man sich in der von Disney geschaffenen Welt sofort zuhause, zum Anderen setzt bei mir eine Ermüdung ein. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum es so lange vor Fluch der Karibik keine oder kaum moderne Piratenfilme gab (von Die Piratenbraut mal abgesehen): man braucht wie bei Western Verschnaufpausen im Kino, sonst fühlt man sich von Stoff im selben Setting schnell überrannt und trotz aller neuen Storyelemente sieht man gefühlt wenig Neues. Man sollte hier nicht zu viel erwarten, Fremde Gezeiten ist ein typischer Actionfilm und wie die ersten Filme mit wenig Tiefgang auf Keilereien und Seegefechte getrimmt. Mein größtes Problem habe ich mit Blackbeard. Sicher, Ian McShane macht aus der Figur einen mordlustigen, blutrünstigen Barbaren, der nur von Penélope Cruz' Angelica zeitweise beschwichtig werden kann und macht das gut. Aber nach zwei Teilen mit dem untoten Davy Jones und seiner zu Meeresfrüchten gewandelten Crew, ihn als NOCH böser oder vielschichtiger hinzustellen, funktioniert einfach nicht. Im Grunde ist er ein Mann, der Schiss hat, dass ihn seine Taten einholen und nun aus Verzweiflung alles auf diese Reise wirft. Er wirkt nun wie die Sparversion von Davy Jones.

Technisch gibt es an der Produktion nicht da Geringste auszusetzen, so ist der 3D-Effekt hier auch durchaus angenehm. Ich würde nicht soweit gehen und ihn als notwendig einstufen, aber er trübt hier nicht das Kinoerlebnis, wie bei anderen 3D-Filmen der letzten Zeit. Mit den Kulissen haben sie sich erneut sehr viel Mühe gemacht. Gerade auch die neuen Schauplätze in der alten Welt sorgen für etwas Abwechslung zwischen den sonst recht tropischen Umgebungen. Der Beziehungsquatsch ist leider etwas aufgesetzt und irgendwie versucht die Beziehung zwischen Angelica und Jack krampfhaft die aus Mr. und Mrs. Smith nachzuahmen. Ich fühlte mich daran erinnert, nur leider fehlt mir da der Funke oder ein Knistern, besonders von Jacks Seite. Angelica wohnt spürbar eine Leidenschaft inne, die an Jack aber nur verpuffen würde, da hilft auch kein Tango im Mondschein.

Alles in Allem wirkt Fremde Gezeiten mehr wie eine losgelöste Episode aus dem Leben von Captain Jack Sparrow, was ja irgendwie sogar der Plan der Macher war. Durchaus lustige Piratenaction, aber trotz guter Bemühungen eher eine Überdosis. Ich hab jedenfalls erst mal genug davon. Arrrrrr!

5 von 10 Buddels voll Rum

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20 Mai 2011

SCRE4M - seit 5. Mai im Kino

Ghostface ist zurück! Nach 11 Jahren Leinwandabstinenz hat sich die Mannschaft der Teeniehorrorfilmreihe der 1990er nocheinmal zusammengefunden um dem beschaulichen Städtchen Woodsboro und den Zuschauern im Kino das Fürchten zu lehren. Sidney Prescott (Neve Campbell) befindet sich gerade auf Buchtour und diese führt sie, als sich die Ereignisse des ersten Films von 1996 erneut jähren, in ihren Heimatort zurück. Was als cleverer Schachzug ihrer Agentin Rebecca (Alison Brie, Community) beginnt, führt zum erneuten Auftauchen des Schlitzers mit Geistermaske und schwarzem Umhang. Die meisten Menschen sind über den Besuch der berühmt-berüchtigten Tochter des Ortes ausgerechnet zum Jahrestag wenig begeistert. Bei Gale Weathers (Courtney Cox, Cougar Town) zum Beispiel läuft es aufgrund einer Schreibblockkade derzeit nicht so gut, was sich auch auf die Ehe zwischen ihr und Sheriff Dewey Riley (David Arquette) negativ auswirkt. Sie neidet Sidney ihren Erfolg als Autorin und sieht in den beginnenden Ereignissen einen Chance auf Inspiration. Als die ersten Opfer gefunden werden geht der altbekannte Zirkus von Neuem los.

Die Mutter aller Horrofilme über Horrorfilme geht in eine neue Runde und spart weder mit Selbstrefrentiellem noch Referenzen zur Popkultur des letzten Jahrzehnts noch literweise Filmblut. Man könnte meinen Wes Craven (Regie) und Kevin Williamson (Buch) hätten den Film nur für Filmgeeks geschrieben & gedreht und nicht einmal ich bin mir sicher, ob ich jeden "Insiderwitz" mitbekommen habe. Es gibt eine neue Generation an der High School angeführt von Sidneys Cousine Jull Roberts (Emma Roberts), einen neuen Filmclub, eine neue Art mit Medien umzugehen. So filmt der Filmgeek Robbie (Erik Knudsen) seinen ganzen Tag und streamt den live ins Internet. "Alles anders" bedeutet auch, es gibt keine Regeln mehr. Jede(r) kann zum Opfer werden, egal ob Jungfrau, schwarz oder schwul.

Wer die Trilogie kennt, weiss was ihn erwartet. Von den Anfangsszenen bis zum Ende Einzeiler und billige, wirksame Schreckmomente am laufenden Band. Man ist innerhalb der Story sehr bemüht, immer wieder daraufhinzuweisen, dass jetzt alles anders und neu ist. Aber andererseits setzt man auch voll auf die alte Stammbesetzung, die die neuen Gesichter mit wenigen Ausnahmen leider komplett an die Wand spielt, was im Kontext einer Teeniehorrorkomödie viel über das Talent mancher Jungdarsteller_innen aussagt. Und was ist das mit den Culkin-Jungs? Bis auf einen Spross sehen die immer creepy aus. Dazu kommt dann die selbe alte Crew hinter der Kamera. Dadurch fühlt sich SCRE4M an wie sich ein SCREAM-Film eben anfühlt, sieht aus, wie ein SCREAM-Film eben aussieht, hört sich an, wie sich ein SCREAM-Film eben anhört. Trotzdem habe ich gelacht. Ziemlich oft sogar. Es gab der mittelmäßigen Gags offenbar derart viele, dass sie den Film über tragen. Der Film besteht im Grunde aus einer dünnen Story, Popkulturreferenzen, Kleinstauftritten von halb Hollywood (Cameos), Gerenne, Geschreie, Gesterbe.

Freut einen Kinogäger, der in den 90ern die Trilogie geguckt hat das Wiedersehen, die Gags, die Cameos? Defintiv ja. Deswegen kann man den schon gucken. Allerdings hebt er sich von seinen Vorgängern auch überhaupt nicht ab und wird zu seiner eigenen Persiflage. Alles ist im Grunde gewürzt mit zu viel Selbstironie und zu wenig Geschichte.

4 von 10 Blutspritzer

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17 Mai 2011

"Geliebtes Leben" ab morgen im Kino

Kurzinhalt:
Südafrika. Township Elandsdoorn. Eine Gemeinde, wie viele in Südafrika - geprägt von Armut und Gottesfürchtigkeit. Hier lebt Chanda, ein 12jähriges Mädchen, zusammen mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und dessen zwei Kindern. Chanda erledigt an diesem Tag etwas, dass keinem Kind zugemutet werden sollte. Sie muss einen Sarg kaufen, denn ihre kleine Schwester ist an diesem Morgen kurz nach der Geburt verstorben. Sie kämpft aufgrund der Apathie ihrer Mutter nicht nur mit dem Haushalt und den beiden Halbgeschwistern, die vom Tode des Babys nichts erfahren sollen, sondern auch mit dem trunkenen, stehlenden Stiefvater, von dem sie das Geld wiederholt, das für die Beerdigung benötigt wird.

Review:
So beginnt die berührende Geschichte um das Stigma AIDS und die AIDS-Waisen in Südafrika, anhand des Schicksales von Chanda, ihrer Familie und ihrer besten Freundin. Der krasse Wiederspruch zwischen der Allgegenwart und dem Todschweigen der Krankheit, um den Ruf in der Gemeinde nicht zu gefährden ist zentrales Thema. So bedeutet die Diagnose AIDS nicht nur den sicheren, schleichenden Tod, sondern der kleinste Verdacht auch den Sozialen. Hinter dem vorgeschobenen Zusammenhalt im Township verbirgt sich tatsächlich eine so tiefe Angst gegenüber der Krankheit, das Freunde und Nachbarn ganz schnell zu einem feindseeligen Mob werden. Der Taktik, der sich dort bedient wird, ist, andere Krankheiten und Unfälle vorzuschieben und sich ja nicht die Blöße zu geben. Mrs. Tafa (Harriet Manamela, Hotel Ruanda), die resolute Nachbarin der Familie, ist mit Chandas Mutter befreundet und versucht mit allen Mitteln diese Fassade, auch aus persönlichen Gründen, aufrechtzuerhalten.

Es geht also nicht so sehr um die Krankheit selbst, sondern um die sozialen Gefüge, in denen Menschen mit AIDS leben und deren Stigmatisierung durch die Gemeinschaft. Dabei gilt dieses Stigma weltweit und nicht nur in einem südafrikansichen Township, dass sich zunächst sehr weit weg anfühlt für Europäer. Mögen auch die Umstände andere sein, bedeutet AIDS immer auch Ausgrenzung. Diese wird im Film natürlich auf die Spitze getrieben, aber es handelt sich ja auch um ein Drama und keine Dokumentation. Chanda ist in der Tat ein aussergewöhnliches junges Mädchen, da sie es als einzige wagt, offene Geheimnisse laut auszusprechen und den ihr nahestehenden Menschen die Würde zuzugestehen, die ihnen die Gemeinschaft aberkennt. Der Film ist erfrischend wenig melodramatisch umgesetzt, einzig ganz am Ende gibt es eine Szene die ich aufgrund ihrer übermäßigen tränendrüsendrück-Funktion für unnötig halte.

Chanda wird eindrucksvoll von Khomotso Manyaka in ihrer ersten Rolle überhaupt gespielt. Sie spielt die Erwachsenen in der Tat an die sprichwörtliche Wand. Die Chemie zwischen ihr und Lerato Mvelase, die Chandas Mutter Lilian verkörpert, stimmt sofort und begleitet glaubwürdig den ganzen Film. Die Arbeit von Regisseur Oliver Schmitz, die deutsche Zuschauer wohl am ehesten kennen, ist die, an Folgen der Serien Doctor's Diary und Türkisch für Anfänger. Sein deutscher Name ist jedoch irreführend, Schmitz ist tasächlich Südafrikaner. Er hat das richtige Ensemble aus Laiendarstellern und hauptberuflichen Schauspielern zusammenbekommen, das es schafft, dieses Thema auf sehr persönliche Weise, der breiten Öffentlichkeit ausserdokumentarisch zugänglich zumachen. Die Ehrungen in Cannes und in Südafrika wurden hier völlig zu Recht vergeben. Der Film basiert auf dem Roman "Chanda's Secrets" (dt. "Worüber keiner spricht", siehe Amazon-Partnerlink am Ende des Artikels) von Allan Stratton, einem Kanadier, dem Schmitz zuvor bei Recherchen zu einem anderen Buch über Ugandas Kindersoldaten half.

Fazit:
Oliver Schmitz gelingt es diese komplexe Thematik, die das Leben Vieler in Südafrika bestimmt, ohne große Theatralik einzufangen. Glaubwürdig und mitreißend erzählt, durch die Augen eines kleinen Mädchens, die in einer Umgebung, in der alle mehr oder weniger gegen sie sind, unglaubliche Stärke demonstriert. Ihr Gefühl für Richtig und Falsch wankt aufgrund der ständigen Bombardierung von Aussen schon einmal, jedoch schafft sie es im Gegensatz zu allen Erwachsenen, die Phase zu überwinden. Geliebtes Leben läuft ab morgen, dem 12. Mai 2011, in den deutschen Kinos und ist definitv einen Blick wert.

8 von 10 Punkte.

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13 Mai 2011

Thor

Die Wüste in New Mexico. Schon oft war sie der Schauplatz überirdischer Ereignisse. Schon oft war sie die Kulisse geheimer Experimente in den Filmen Hollywoods. Hier nun treffen wir auf drei Forscher, die seltsamen Wetterphänomenen auf der Spur sind. Angeführt von Jane Foster (Natalie Portman) rasen Erik Selvig (Stellan Skarsgård) und Darcy Lewis (Kat Dennings) mit ihrem Mobil über Sandpisten in Richtung eines sich formenden Tornados. Kaum angekommen, will Jane natürlich in bester Twister-Manier ins Auge des Sturms fahren und prompt stoßen sie mit einer Gestalt zusammen, die dort eigentlich nichts verloren hat. Ein Mann, scheinbar direkt dem Tornado entstiegen, zunächst orientierunglos und Namen aus alten nordische Mythen gen Himmel rufend, erschreckt Darcy derart, dass sie ihn kurzerhand mit ihrem Taser lahmlegt. Zuvor droht er ihr und sagt, sein Name sei Thor.

So beginnt die neueste Marvel-Verfilmung aus der Schmiede des Shakespeare-Regisseurs Kenneth Branagh, der dem deutschen Publikum in sechs Folgen als Kommissar Wallander in seiner Tätigkeit als Schauspieler auch neben seinen etlichen Hollywoodrollen und Regiearbeiten bekannt sein dürfte. Er zaubert ein visuelles Spektakel auf die Leinwand, das einen fast glauben lässt, dies wäre der erste Popcornstreifen diesen Jahres, obwohl für uns in Deutschland natürlich TRON: Legacy im Januar schon diesen Platz einnimmt. Wo sich beide im visuellen Stil das Wasser reichen, bleibt Thor in der 3D-Umsetzung leider auf der Strecke. War 3D bei TRON: Legacy nicht nur explizites Stilmittel um zwischen realer und Computerwelt unterscheiden zu können und die Umsetzung nahe an der Referenz, die James Cameron mit Avatar abgeliefert hat, wirkt es bei Thor aufgesetzt. Der Effekt ist oftmals kaum spürbar, so dass man sich fragt, wozu man die lächerlichen Brillen trägt und bei mir war es seit Langem auch mal wieder relativ kopfschmerzig. Der Effekt trägt zum Film tatsächlich nichts bei und erweckt den Eindruck, dass das Studio-Marketing den 3D-Aufkleber um jeden Preis auf die Plakate klatschen wollte. Es ist auch seltsam, da der Film visuell extrem stilvoll ist und dem Zuschauer viel bietet, an dem sich die Augen satt sehen können - ganz ohne halbgares 3D.

Comicheldenverfilmungen. Mag man die beiden Iron Man-Filme, mag man The Incredible Hulk und den noch kommenden Captain America, dann mag man auch Thor. Marvel hat sich durch halbversteckte Easter-Eggs und Cameoauftritte viel Mühe gemacht, um ein glaubwürdiges, filmübergreifendes Universum zu schaffen und wird somit schon automatisch die Fans anziehen. Aber auch für den gänzlich unvertrauten Kinobesucher, kann der Film funktionieren, schließlich spielt es gar keine Rolle, ob Thor ein Comicheld ist, oder nicht. Seine ganze Geschichte, alle handelnden Figuren entspringen dem nordischen Mythos und es funktioniert die “technologisch oder zivilisatorisch höherentwickelte Wesen wurden auf der Erde als Götter verehrt”-Sichtweise hier ganz genauso, wie bei Stargate, Indiana Jones: Das Königreich des Kristallschädels oder selbst Alien vs. Predator. Der Film lohnt nicht nur wegen einem Ausflug in die nordische Mythologie sondern auch wegen dem Spaß und ja, auch der Action. So sehr es ernste eindringliche Szenen beispielweise zwischen Vater und seinen Söhnen gibt, gibt es auch wirklich lustige Momente, die die Stimmung auflockern und den Film neben seinem fantastischen Spielort Asgard, im wahrsten Sinne des Wortes, erden. Die Szenen am königlichen Hofe Asgards sind inszeniert wie eine Shakespeare-Aufführung: sehr detailliert, voll großer Gesten und großer Worte. Die Dialoge geschliffen und etwas gestelzt formuliert. Immer aus einer der Figur entsprechenden Haltung heraus. Chris Hemsworth leistet als Thor hier neben Anthony Hopkins als Odin gute Arbeit und hat sich von seinem Respekt als Neuankömmling in Hollywood nicht übermannen lassen. Genrefans ist er v.a. als Kirks Vater George Kirk aus Star Trek von 2009 im Gedächtnis. Dies ist seine erste Hauptrolle. Natalie Portman spielt mit einer erfrischenden Leichtigkeit, eigentlich so wie jede ihrer Rollen. Sie schlüpft in die Jane hinein und ist sie. Langsam glaube ich abgedroschen zu klingen, aber die Chemie stimmt. Thor und Jane sind kein einfaches Liebespaar, mehr von dem Typ: zufällig zusammengestoßen und haftengeblieben. Weder ist die Beziehung der beiden zueinander besonders dramatisch mit endlosen Hochs und Tiefs (kein Rollercoaster-Ride) noch ist sie unglaubwürdig. Es prickelt auf einer intellektuellen Ebene zwischen den beiden. Schließlich verkörpert Thor all das, was Jane versucht als Forscherin zu begreifen.

Langsam verdichtet sich das Netz der Marvel-Helden auf der Leinwand für ein Aufeinandertreffen im Film The Avengers, der sich gerade im Dreh befindet. Wer sich an Iron Man 2 erinnert und bis nach den Endcredits sitzenblieb - was im Übrigen bei ALLEN Marvelverfilmungen für Comicinsider eine Empfehlung ist - wird sich an den Thor-Teaser erinnern - eine Szene, wie sie auch im tatsächlichen Film stattfindet. S.H.I.E.L.D. hat in Person von Agent Phil Coulson (Clark Gregg) einen ersten ausgedehnten Auftritt - in Iron Man war er ja gerade noch mit Namensfindung beschäftigt und nur am Ende mit von der Partie. Es bleibt bis 2012 und darüberhinaus spannend.

Fazit:
Popcornunterhaltung erster Güte. Ein Muss sowohl für Genre- und Marvel-Fans als auch Freunde des gepflegten Sci-Fi-Action-Abenteuers. Perfekt für einen verregneten Kinoabend oder nach einem Tag voller Sonnenbrandgefahr.

8 von 10 Hammerschläge